Vertrocknete Wiesen, Temperaturen von über 30 Grad, Wassermangel und Brände im Hohen Venn: Der Sommer 2026 erinnert in mancher Hinsicht an den legendären Dürresommer von 1976. Vor 50 Jahren erlebte Belgien eine außergewöhnlich trockene und heiße Zeit, die sich tief in das Gedächtnis der Menschen eingebrannt hat. Damals galt das Ereignis als Ausnahme. Das Wetter würde sich wieder normalisieren, so die Vorstellung. Niemand ahnte, dass eine solche Ausnahmesituation Jahrzehnte später immer häufiger auftreten würde. 50 Jahre nach 1976 wirkt der Sommer 2026 deshalb fast schon wie eine neue Normalität.
Genau diese Verbindung zwischen damals und heute steht im Mittelpunkt der RTBF-Radiosendung „L’Histoire continue“ vom 27. August 2026. Die Journalisten Bertrand Henne und Hélène Maquet greifen auf Archivaufnahmen aus dem Jahr 1976 zurück und stellen ihnen die Erfahrungen des Sommers 2026 gegenüber. Im Mittelpunkt steht die Frage: Was hat sich in diesen 50 Jahren verändert – und was können wir aus der Dürre von 1976 für die heutigen und künftigen Trockenperioden lernen? Diese Fragen besprechen sie dann auch mit den beiden Experten Aurore Degré, Professorin für Hydrologie an Gembloux Agro-Bio Tech, und Sébastien Doutreloup, Klimatologe und Geograf an der Universität Lüttich.
1976: eine historische Dürre
Der Winter 1976 war bereits ungewöhnlich trocken, im Frühjahr fiel kaum Regen. Im April brachen im Hohen Venn Brände aus. Mai und Juni gehörten zu den trockensten Monaten des Jahrhunderts, gefolgt von einem ebenfalls sehr heißen Juli und August. Die Grundwasserspiegel sanken dramatisch, vielerorts wurde das Wasser knapp und die Regierung musste erstmals Einschränkungen bei der Wasserversorgung verhängen. Besonders hart traf die Dürre die Landwirtschaft, vor allem die Viehhalter im Süden des Landes. „Menschen, die ihr ganzes Leben lang Bauern waren, hatten so etwas noch nie gesehen“, heißt es in einem damaligen Bericht. Bereits im Mai berichteten die Medien über die Auswirkungen auf die Weiden und die Viehhaltung. Ein Landwirt schilderte damals die Situation: „Mehr als sechs Wochen ohne Regen, das ist für diese Jahreszeit und für diese Region unnormal. Für das Vieh bedeutet das wegen der Trockenheit zu wenig Gras. Und es gibt noch weniger Gras, weil einige Landwirte ihr Vieh wegen des Futtermangels viel zu früh auf die Weiden treiben mussten. Wirtschaftlich bedeutet das, dass die Milchleistung sinkt. Das ist also ziemlich katastrophal.“
Noch im Mai herrschte allerdings Hoffnung. Ein Agronom erklärte im Fernsehen: „Es ist noch nicht zu spät. Wenn in nächster Zeit Regen kommt, könnte das Gras wirklich hervorragend wachsen. Das Wunder der Natur könnte sehr schnell eintreten, also ist es noch nicht die große Katastrophe.“ „Une bonne drache“, wie man in Belgien einen kräftigen Regenguss nennt, könne die Situation noch retten. „Mehrere davon…“, fügte er hinzu. Doch der Regen blieb aus – sowohl im Mai als auch im Juni. In einigen Gegenden der Provinz Lüttich wurde sogar das Trinkwasser knapp. Die Grundwasservorräte leerten sich, Wasser musste in Flaschen gekauft werden. Kinder konnten sich zwar im Fluss waschen, für die Erwachsenen wurde die Situation zunehmend belastend.
„Die Brüsseler interkommunale Wassergesellschaft CIBE pumpt jedes Jahr Millionen Kubikmeter Wasser unter unseren Füßen ab, während wir hier Durst haben. Das ist nicht hinnehmbar. Ich akzeptiere, dass die Brüsseler und die Flamen Wasser brauchen, wir müssen teilen. Aber nicht nur in eine Richtung. Wenn sie Wasser haben, müssen wir auch welches haben. Ich habe sechs Kinder. Sie kommen aus der Schule, wo das Wasser abgestellt ist, sie haben dort nichts zu trinken. Um 16 Uhr kommen sie nach Hause, wir müssen ihnen etwas zu trinken geben und ein Abendessen zubereiten. Das können wir aber nur mit gekauftem Wasser, denn das Wasser hier ist Flusswasser. Wir können es zum Waschen benutzen, aber nicht für den Haushalt.“
Die Regierung reagierte mit ersten Einschränkungen. Rasen und Gärten durften nicht mehr mit Leitungswasser bewässert werden, Schwimmbäder und Gartenteiche durften nicht mehr gefüllt werden, ebenso wenig wie Straßen, Gehwege oder Fassaden. Auch das Waschen von Autos mit dem Gartenschlauch wurde verboten. Wasser, das lange als praktisch unerschöpfliche Ressource gegolten hatte, wurde plötzlich zum kostbaren Gut. Ein damaliger Journalist sprach von einem „Warnschuss“ und einem Hinweis darauf, dass man seine Einstellung und seine Gewohnheiten im Umgang mit Wasser überdenken müsse.
Auch für die Landwirtschaft wurde die Lage immer dramatischer. „Die Situation wird immer ernster, um nicht zu sagen immer schlimmer, für alle Bereiche der Landwirtschaft“, hieß es damals in einem Fernsehbericht. Besonders betroffen waren die Grünlandbetriebe. Die Heuernte hatte gerade einmal die Hälfte des üblichen Ertrags gebracht, die Wiesen waren von der Sonne verbrannt und manche Landwirte hatten bereits begonnen, auf ihre Wintervorräte zurückzugreifen. Gleichzeitig wurde die Situation dadurch verschärft, dass wegen der noch größeren Trockenheit in Frankreich die Ausfuhr von Futtermitteln verboten worden war.
Im Juni fiel schließlich etwas Regen – gerade genug, um den Landwirten kurzfristig Hoffnung zu geben. Doch ab dem 22. Juni begann eine außergewöhnlich lange Hitzewelle. 16 Tage lang lagen die Temperaturen über 30 Grad. Das Königliche Meteorologische Institut in Uccle errechnete damals, dass eine solche Hitzewelle statistisch nur etwa einmal alle 400 Jahre zu erwarten sei. Die Ernte begann rund einen Monat früher als üblich, die Erträge waren schlecht. Vor allem die Viehhalter litten unter vertrockneten Weiden und Futtermangel.
„Ich habe kein Gras mehr“
Auch König Baudouin machte sich 1976 ein Bild von den Schäden. In der Famenne landete ein Hubschrauber der Armee auf einer ausgedörrten Wiese. Ein Landwirt schilderte dem König seine Situation: „Ich habe kein Gras mehr. Es ist nur noch ein Gemisch aus Trockenheit, das ist kein Gras mehr. Und selbst wenn es jetzt 15 Tage regnen würde, würde es mindestens sechs Wochen dauern, bis das Gras wieder Wurzeln gebildet hat und wieder etwas da ist.“
Im August verschärfte sich die Dürre weiter. Schließlich beschloss die Regierung, den betroffenen Landwirten zu helfen. Premierminister Leo Tindemans kündigte zinsgünstige Darlehen und steuerliche Maßnahmen an. Auch die Armee wurde eingesetzt, um fehlendes Heu und Stroh zu transportieren. Für einen Landwirt bedeutete diese Hilfe eine erhebliche Entlastung: „Das bedeutet für uns eine enorme Einsparung, erstens an Zeit und zweitens an Geld. Wir haben ausgerechnet, dass wir ungefähr einen Franken pro Kilo gegenüber dem Preis sparen, den wir beim Händler bezahlen müssten. Und weil wir wegen der Trockenheit dieses Jahr viel mehr Stroh einlagern müssen als sonst – ungefähr 50 Tonnen –, ergibt das eine Ersparnis von rund 50.000 Franken, die wir nicht ausgeben müssen.“
Doch die staatliche Unterstützung hatte ihre Grenzen. Auch ein zinsgünstiges Darlehen blieb ein Darlehen, und das Stroh war als Futter von schlechter Qualität. Obwohl die Dürre in Belgien im Herbst schließlich endete, waren die wirtschaftlichen Folgen für die Landwirte noch lange nicht ausgestanden. Auf der Landwirtschaftsversammlung in Libramont wurde damals auch die grundsätzliche wirtschaftliche Situation der Landwirtschaft thematisiert. Ein Gewerkschafter sagte: „Die Landwirtschaft ist ein Beruf, der mit keinem anderen verglichen werden kann. Wir hängen in erster Linie vom Wetter ab. Und gegen das Wetter können wir nichts tun. Aber wir hängen vor allem von der Politik und von der Geschäftswelt ab, die vor- und nachgelagert an der Landwirtschaft beteiligt ist.“ Er kritisierte zugleich die Entwicklung der vergangenen Jahrzehnte: „Wenn jeder auf seinem Hof 500.000 Franken Betriebskapital hätte, wäre das Problem nicht so schlimm gewesen. Aber wie hat man die Landwirtschaft in den vergangenen 20 Jahren geführt? Man hat ihr einfach Produktionsnormen auferlegt, man hat ihr Investitionen auferlegt, die über ihre Möglichkeiten hinausgingen, und ihr dabei eine viel bessere Zukunft vorgegaukelt. Das hat einfach dazu geführt, dass sich unsere Höfe verschuldet haben und dass Landwirte, ihre Frauen, ihre Kinder und manchmal auch ihre Eltern zu Sklaven wurden. Heute stellt die Regierung fest, dass sie zu weit gegangen ist, und deshalb will sie Schutzmaßnahmen ergreifen. Aber das Grundproblem ist, dass die Landwirtschaft ausgebeutet wurde. Und noch schlimmer und beschämender ist, dass die Landwirtschaft heute in ihrer Notlage durch die Dürre ausgebeutet wird.“
1976 und 2026: Was hat sich verändert?
Ein Bericht der RTBF aus dem Jahr 1976 fasste die damalige Situation treffend zusammen: Die Dürre war ein „fait divers“, ein außergewöhnliches Ereignis, das die Verwundbarkeit der Landwirtschaft sichtbar machte. Vom Klimawandel sprach die breite Öffentlichkeit damals noch nicht. Niemand wusste, dass sich Dürren dieser Art wiederholen würden und dass solche Jahre bald keine Ausnahme mehr sein würden.
Genau hier setzt „L’Histoire continue“ 50 Jahre später an. Für die Sendung sprechen die Journalisten mit Aurore Degré, Professorin für Hydrologie an Gembloux Agro-Bio Tech, und Sébastien Doutreloup, Klimatologe und Geograf an der Universität Lüttich.
Was fällt den beiden beim Hören der alten Archivaufnahmen besonders auf? Sébastien Doutreloup antwortet: „Ich habe den Eindruck, dass es vor allem die Überraschung der Bevölkerung ist – und sie hatte damals auch recht damit, denn es war ein völlig isoliertes Ereignis. Und auch die Verzweiflung, weil natürlich nichts vorbereitet war, denn es war eine Überraschung. Das beeindruckt mich als erstes.“
Aurore Degré fällt etwas anderes auf: „In den Aufnahmen geht es um die Lebensmittelversorgung und um das Leitungswasser – also um Dinge, die uns alle betreffen. Darauf könnten wir zurückkommen, denn inzwischen wurden in diesem Bereich zahlreiche Maßnahmen ergriffen, um eine solche Situation zu verhindern. Und dann konzentriert man sich auf die Landwirtschaft, und man hat den Eindruck, dass sie das einzige Opfer ist. Ich habe den Eindruck, dass wir heute erkennen, dass die Probleme des Wasserkreislaufs, die durch den Klimawandel und durch unsere Nutzung des Territoriums verändert werden, immer mehr Bereiche betreffen und dass die Folgen viel vielfältiger sind als damals.“
1976 war außergewöhnlich – 2026 ist es nicht mehr
1976 galt lange als der heißeste Sommer des 20. Jahrhunderts und als Referenz für extreme Hitze in Belgien. Doch inzwischen wurden viele Temperaturrekorde gebrochen. Sébastien Doutreloup relativiert allerdings: „Alles hängt davon ab, was man betrachtet. 1976 war, wenn wir nur über die Hitzewelle sprechen, die intensivste, die in Belgien jemals beobachtet wurde. Das ist auch heute noch so.“ Entscheidend sei nicht allein die höchste gemessene Temperatur, sondern die Kombination aus Dauer und Temperaturabweichung. „Die Rekorde bei den maximalen und minimalen Temperaturen wurden inzwischen deutlich übertroffen. Aber die Hitzewelle von 1976 bleibt bis heute die intensivste, die in Belgien registriert wurde, wenn man die Dauer und die kumulierte Temperaturabweichung betrachtet. Die Erwärmung wirkte bereits damals.“
Auch wenn damals noch nicht die Rede vom Klimawandel war, ist Sébastien Doutreloup eindeutig: „Damals betrachtete man das Geschehen noch als reines Wetterphänomen. Wir hatten nicht den nötigen zeitlichen Abstand, um es dem Klimawandel zuzuschreiben. Heute wissen wir rückblickend, dass es bereits zwischen den 1940er- und 1960er-Jahren weltweit deutliche Veränderungen und Sprünge bei den Temperaturen gegeben hat. Die Erwärmung wirkte also bereits zu dieser Zeit. Mit dem heutigen Wissen können wir diese beiden außergewöhnlichen Ereignisse von 1976 rückblickend dem Klimawandel zuordnen.“
Seitdem sind extreme Trockenperioden als auch Hitzewellen in kürzeren Abständen aufgetreten: 2017, 2019, 2020 und 2022 waren ebenfalls von ausgeprägten Dürren geprägt. Der Sommer 2026 reiht sich nun in diese Entwicklung ein. Für Doutreloup ist diese Wiederholung ein deutliches Zeichen der fortschreitenden Klimaerwärmung. Gleichzeitig gibt es einen wichtigen Unterschied zwischen 1976 und 2026: Trotz der langen Trockenperiode und der Hitze kam es in Belgien 2026 nicht zu einer flächendeckenden Wasserknappheit wie vor 50 Jahren. Ein Grund dafür ist die inzwischen deutlich verbesserte Infrastruktur. Aurore Degré erinnert daran, dass die Grundwasserreserven vor allem im Winter aufgefüllt werden: „Der Winter ist wirklich die Jahreszeit, in der sich die Grundwasservorräte wieder auffüllen.“ 1976 war der Winter bereits sehr trocken gewesen. „Wir haben mit Vorräten begonnen, die bereits im Defizit waren, und wir haben natürlich – wie wir es jeden Sommer tun – Wasser verbraucht und aus den Grundwasservorkommen entnommen.“ Auch die Wasserversorgung selbst ist heute besser vorbereitet. „Was man vielleicht nicht weiß: Es gibt eine ganze Reihe von Gemeinden, die in diesem Jahr über Wasserleitungen versorgt wurden, entweder über Aquädukte, die wieder aufgebaut wurden, oder durch Wassertransporte per Lastwagen. Die Wassertürme wurden auch in diesem Sommer 2026 mit Lastwagen gefüllt. Es fehlte zwar ingesamt nicht an Wasser, aber in gewissen Regionen, zum Beispiel dort, wo der Tourismus dafür sorgt, dass die Bevölkerung sich im Sommer verdoppelt, verdoppelt sich auch der Wasserverbrauch gerade im Sommer.“
Landwirtschaft bleibt besonders verwundbar
Die Infrastruktur hat also Fortschritte gemacht. Doch bei den Böden und der Landwirtschaft zeigt sich ein anderes Bild. Bereits 1976 wurde auf die Schwächen einer zunehmend intensiven Landwirtschaft hingewiesen. Schon damals kritisierte ein Agronom insbesondere die Monokultur und die zunehmende Verschlechterung der Böden. „Die Landwirtschaft war früher weniger anfällig für klimatische Unfälle“, erklärte er und verwies auf die Erfahrungen älterer Landwirte. „Oft hatten die Betriebe eine bessere wirtschaftliche Grundlage. Sie bauten verschiedene Kulturen an und betrieben Mischkulturen. Ein schlechtes Jahr konnte im folgenden Jahr ausgeglichen werden. Zum Beispiel: Das Futter fiel schlecht aus, aber das Gemüse war in diesem Jahr nicht so schlecht. Ein klimatisches Ereignis wie Frost, Regen oder Hagel traf eine Kultur, aber nicht den wesentlichen Teil des landwirtschaftlichen Betriebs.“
Auch der übermäßige Einsatz von Dünger wurde bereits damals als Problem erkannt, weil dadurch nach und nach der Humusgehalt der Böden zurückging und die Kulturen weniger widerstandsfähig wurden. Aurore Degré fällt das Urteil für heute allerdings noch kritischer aus: „Heute ist es noch schlimmer.“ Seit 1976 sei die Zahl diversifizierter Betriebe weiter stark zurückgegangen. „Mischbetriebe mit Ackerbau und Viehzucht sind marginal geworden. Sie existieren praktisch nicht mehr.“ Gleichzeitig gehe weiterhin organische Substanz aus den Böden verloren. Die Folge seien weniger nährstoffreiche Böden, die anfälliger für Verdichtung sind und Wasser schlechter speichern können.
Bewässerung könne kurzfristig durchaus helfen, räumt die Hydrologin ein: Sie sei „technisch beherrschbar, unmittelbar und effizient“ und löse zunächst das Problem der Wasserversorgung der Kulturen. Doch sie warnt davor, sich allein auf technische Lösungen zu verlassen: „Wenn wir uns bei allen Wassernutzungen sagen, dass die technische Lösung darin besteht, Wasser aus dem Grundwasser zu pumpen und damit unser Problem unmittelbar zu lösen, dann verstehen wir leicht, dass wir irgendwann an eine Grenze stoßen.“
Nicht nur Wasser sparen, sondern den Wasserkreislauf wiederherstellen
Für die beiden Experten kann Anpassung deshalb nicht allein bedeuten, immer neue technische Lösungen zu entwickeln. 1976 glaubte man noch, dass die Dürre eine Krise sei, nach der alles wieder zur Normalität zurückkehren würde. Diese Vorstellung können wir uns heute nicht mehr leisten, betont Sébastien Doutreloup. „Wir wissen, dass wir auf trockenere Jahre zusteuern … Jedes dritte Jahr wird extrem trocken sein. Die grundlegende Frage lautet: Wie schaffen wir es, möglichst viel Wasser zur Verfügung zu haben?“
Für den Klimatologen liegt ein wesentlicher Teil der Antwort darin, Wasser nicht erst im Sommer zu suchen, sondern die Niederschläge des Winters besser zu speichern: „Wir müssen das Wasser, das im Winter fällt, speichern, damit wir es im Sommer nutzen können.“ Dafür braucht es Böden, die Wasser aufnehmen und in die Grundwasservorkommen weiterleiten können. Gleichzeitig muss der Oberflächenabfluss reduziert werden. Dazu gehören eine Wiederherstellung der organischen Substanz in den Böden – jener „Schwamm“, der Wasser zurückhält –, die Renaturierung und Wiederbewässerung von Flussläufen sowie eine grundsätzlich andere Gestaltung unserer Landschaften.
Die Herausforderung betrifft dabei nicht nur die Landwirtschaft. Auch Städte müssen ihren Umgang mit Wasser überdenken. Die zunehmende Versiegelung verhindert, dass Regenwasser in den Boden eindringt. Deshalb müsse die Raumplanung neu gedacht, die weitere Betonierung begrenzt und auch bei bestehenden Siedlungen wieder mehr Raum für Flächen geschaffen werden, die Wasser speichern und versickern lassen.
50 Jahre später
1976 und 2026 liegen ein halbes Jahrhundert auseinander. Die Bilder von vertrockneten Wiesen, Wassermangel und verzweifelten Landwirten wirken dennoch erstaunlich vertraut. Der entscheidende Unterschied liegt darin, wie wir die Ereignisse betrachten.
1976 war die Dürre eine Ausnahme, auf die niemand vorbereitet war. 2026 wissen wir, dass solche Ereignisse wiederkehren – und dass sie mit der Klimaerwärmung häufen werden. Die Geschichte von 1976 ist deshalb nicht nur eine Erinnerung an eine außergewöhnliche Wetterlage. Sie ist auch ein Blick auf die Anfänge einer Entwicklung, deren Folgen heute deutlich sichtbar sind.
Was damals als Warnschuss verstanden wurde, erhält 50 Jahre später eine neue Bedeutung: Es geht nicht mehr darum, nach einer außergewöhnlichen Dürre einfach auf die Rückkehr zur Normalität zu warten. Die entscheidende Frage lautet vielmehr, wie Landwirtschaft, Wasserversorgung, Böden, Landschaften und Städte an eine Zukunft angepasst werden können, in der trockene und heiße Jahre nicht mehr die Ausnahme sind.
Pascale Schröder