Klimaauswirkungen der Rindfleischkette
Auch Kanada hat eine Klimastrategie: 25 % weniger Treibhausgase bis 2035. In der Region Alberta gibt es viele Rinderbetriebe. Der Fleischrindersektor ist in zwei Bereiche unterteilt: einerseits Betriebe mit Mutterkühen und Kälberaufzucht und andererseits Mastbetriebe, die meist in großen sogenannte Feedlots, in denen große Rindergruppen mit getreidereichen Rationen bis zur Schlachtreife gemästet werden, organisiert sind. Was die Klimaauswirkungen angeht, sorgt dies innerhalb der Lieferkette für heftige Diskussionen. Wer ist für den größten Teil der Klimaauswirkungen verantwortlich: Mutterkühe, die ihre Kälber aufziehen und extensiv auf Weideland grasen, stoßen viel mehr Methan aus als das Fleischvieh in den Rindermastbetrieben, das mit getreidereichen Rationen gefüttert wird. Andererseits ist das extensive Grünland im Vergleich zu Ackerbausystemen ein wichtiger Kohlenstoffspeicher im Boden. Die Aufzuchtbetriebe haben eine konzentrierte Kalbsaison im Frühjahr von März bis Mai. Die Kälber werden im Rahmen eines Systems der extensiven Weidehaltung zusammen mit den Kühen auf der Weide gehalten. Anfang November, kurz vor dem Winter, wird ein Teil der Jungtiere in die Mastbetriebe gebracht. Der andere Teil wird als Ersatzvieh im Freien auf Grünland gehalten. Kanada hat sich zu einem bedeutenden Rindfleischexporteur entwickelt, in dem multinationale Konzerne wie das US-amerikanische Unternehmen Cargill stark vertreten sind. Dies bedeutet, dass die Verkaufspreise für Rindfleisch starken Schwankungen unterliegen können. Die hohen Preise auf den europäischen Märkten machen den Export in die EU zudem interessanter. Auch für diesen Sektor wurde ein System der Einkommensversicherung entwickelt, das von den Landwirten in großem Umfang genutzt wird.
Der Einsatz von Hormonen ist allgemein akzeptiert
Da die Winter extrem kalt sein können, gibt es bei der Weidehaltung der Tiere kein Problem mit Wurmbefall. Der Einsatz von Hormonen ist in Kanada allgemein akzeptiert. Der Verbraucher hat im Regal die Wahl, doch weniger als fünf Prozent entscheiden sich für unbehandeltes Rindfleisch! Während der Aufzuchtphase auf der Weide erhalten die Rinder eine erste Hormonimplantation. In der Mastphase in den Mastbetrieben folgen noch zwei weitere Hormonimplantationen. Der Unterschied im Wachstum ist spektakulär: Bei natürlicher Mast beträgt das durchschnittliche Wachstum 1,2 kg pro Tag, mit einer Hormonimplantation werden problemlos 1,8 kg Wachstum pro Tag erreicht. Aufgrund der extremen Kälte ist das Wachstum im Winter deutlich geringer. Ein befragter Viehhändler vertrat die Ansicht, dass die kanadische Rindfleischproduktion nur mit Hormoninjektionen möglich sei, da die Tiere andernfalls zwei Winter überstehen müssten, um ein ausreichendes Schlachtgewicht zu erreichen. Aufgrund des guten Wachstums behaupten die Kanadier, dass ihr Rindfleisch eine geringere Klimabelastung habe. Im Rimrock Feedlot werden 38.000 Stück Fleischrinder in Gruppen von jeweils 50 Tieren gehalten. Der Betrieb, der sich im Besitz mehrerer privater Investoren befindet, beschäftigt 30 Vollzeitkräfte, darunter ein Team eigener Tierärzte. Die Rinder werden mit fünf verschiedenen Futterrationen gefüttert, deren Getreideanteil im Verlauf der Mast von 10 auf 90 % ansteigt. Die Ration umfasst außerdem GPS-Silage, Maissilage und Raps. Täglich werden 500 Tonnen Kraftfutter und Getreide an die gesamte Herde verfüttert. Die durchschnittliche Sterblichkeitsrate beträgt etwa 5 %; für die Tiere ist kein Unterstand vorgesehen. Behandelte Tiere verbleiben in der Regel in der Gruppe; eine Ausmusterung erfolgt erst am Ende der Mastperiode.