Die Landwirtschaft steht nicht nur vor aktuellen Herausforderungen – sie muss sich auch langfristig neu aufstellen. Strukturwandel, geopolitische Veränderungen, steigende Anforderungen und sich verändernde gesellschaftliche Erwartungen verlangen nach neuen Wegen in Bildung und Begleitung. Das Landwirtschaftliche Schulungszentrum (LSZ) möchte daher sein Angebot gezielt weiterentwickeln und um neue Themenfelder ergänzen, die über die klassische Aus- und Weiterbildung hinausgehen und den Menschen hinter dem Betrieb stärker in den Mittelpunkt rücken.
Ein zentraler Ansatzpunkt ist dabei die Berufsorientierung in der Landwirtschaft. Immer mehr junge Menschen interessieren sich für eine Tätigkeit im Agrarsektor, verfügen jedoch nicht über einen eigenen Betrieb mit familiärem Hintergrund. Gleichzeitig fehlt oft der Überblick über die bestehenden Ausbildungswege und beruflichen Möglichkeiten. Genau hier kann das LSZ künftig ansetzen:
- Wie werde ich Landwirt oder Landwirtin?
Informationsangebote sollen die verschiedenen Ausbildungswege sichtbar machen – vom schulischen Weg über die Lehre, dem Studium bis hin zur Betriebsleiterschule im zweiten Bildungsweg.
- Welche Berufsbilder gibt es in der Landwirtschaft?
Neben der klassischen Betriebsleitung eröffnet der Agrarsektor eine Vielzahl von Tätigkeiten, etwa als Herdenmanager, Berater, Versuchsmitarbeiter, Angestellter auf Betrieben oder im vor- und nachgelagerten Bereich. Diese Vielfalt soll künftig stärker aufgezeigt und greifbar gemacht werden.
- Wie kann ich in der Landwirtschaft Fuß fassen ohne eigenen Hof?
Gerade für Quereinsteiger oder Nicht-Hoferben sollen Perspektiven aufgezeigt werden, wie ein Einstieg dennoch gelingen kann – etwa über Beschäftigungsverhältnisse, Kooperationen oder schrittweise Entwicklungen in den Beruf hinein.
Solche Angebote könnten in Form von Informationsveranstaltungen, Workshops, Schulprojekten oder individuellen Beratungsgesprächen umgesetzt werden. Ziel ist es, Orientierung zu geben und neue Zielgruppen für die Landwirtschaft zu erschließen – ein Anliegen, das bereits heute im Fokus der Öffentlichkeitsarbeit des LSZ steht.
Ein zweiter wichtiger Zukunftsbereich liegt in der Begleitung von Betriebsübernahmen und beruflichen Übergängen. Während rechtliche und finanzielle Aspekte häufig im Vordergrund stehen, zeigt die Praxis, dass insbesondere die zwischenmenschlichen Herausforderungen oft entscheidend für den Erfolg einer Hofübergabe sind.
Hier möchte das LSZ neue Formate entwickeln, die gezielt auf die persönliche Ebene eingehen:
- Kommunikation innerhalb der Familie bzw. zwischen Übergeber/Übernehmer
Wie spreche ich Erwartungen, Sorgen und Visionen offen an? Wie gelingt ein konstruktiver Austausch zwischen den Generationen?
- Umgang mit Konflikten und Rollenveränderungen
Eine Betriebsübernahme bedeutet Veränderung für alle Beteiligten – sowohl für die Übergeber als auch für die Übernehmer. Unterstützung in dieser Phase kann helfen, Konflikte frühzeitig zu erkennen und zu lösen.
- Persönlichkeitsentwicklung und Führungsrolle
Die Rolle als Betriebsleiter erfordert unternehmerisches Denken, Entscheidungsstärke und Führungskompetenz. Diese Fähigkeiten sollen gezielt gefördert werden. Neben den b|u|s und b|u|s Plus Kursen könnte dies auch in weiteren Trainings oder im individuellen Coaching geschehen und das eigene Handeln dort reflektiert und analysiert werden.
- Coaching und individuelle Begleitung
Ergänzend zu Gruppenformaten kann eine persönliche Betreuung in Form von Einzelcoachings eine wertvolle Unterstützung bieten – insbesondere in sensiblen Übergangsphasen.
Diese neuen Angebote können vom klassischen Workshop über mehrtägige Trainings bis hin zu längerfristigen Coaching-Programmen reichen. Sie würden damit eine wichtige Ergänzung zu den bestehenden fachlichen Weiterbildungen darstellen und den ganzheitlichen Ansatz des LSZ weiter stärken.
Mit der Weiterentwicklung in diesen beiden Bereichen – Berufsorientierung und persönliche Begleitung – setzt das LSZ ein klares Zeichen für die Zukunft: Landwirtschaftliche Bildung endet nicht bei Fachwissen, sondern umfasst auch Orientierung, Persönlichkeitsentwicklung und die aktive Gestaltung des eigenen beruflichen Weges.
So bleibt das Ziel unverändert: Bildung soll praxisnah, zugänglich und vor allem zukunftsorientiert sein – damit die Landwirtschaft in Ostbelgien auch morgen gut aufgestellt ist.