Landwirtschaftliche Aus – und Weiterbildung in Ostbelgien

Praxisnah, vielseitig und zukunftsorientiert

Verfasst am 26.08.2026
Veröffentlicht in Ausgabe 2026 - 15

Die Landwirtschaft entwickelt sich rasant weiter – und mit ihr die Anforderungen an die Menschen, die in ihr arbeiten. Neue gesetzliche Vorgaben, technischer Fortschritt, Digitalisierung und der Klimawandel machen deutlich: Berufliche Aus- und Weiterbildung ist heute wichtiger denn je. Gleichzeitig müssen die Bildungsangebote den Bedürfnissen der Betriebe entsprechen. Welche Themen Landwirtinnen und Landwirte in Ostbelgien besonders interessieren, hat unsere Mitgliederbefragung im Juni gezeigt. Die Ergebnisse, die bereits ausführlich in „Der Bauer“ Nr. 14 vorgestellt wurden, liefern eine wichtige Grundlage für die Weiterentwicklung des Bildungsangebots. Das Landwirtschaftliche Schulungszentrum greift diese Anregungen auf und bietet ein breit gefächertes Programm – von der Grundausbildung über praxisnahe Fachkurse bis hin zu Studienveranstaltungen und neuen Angeboten für die persönliche und unternehmerische Weiterentwicklung. In dieser Ausgabe gehen wir detailliert auf die Angebote des LSZ und des Bauernbundes ein.

Gerd Brüls und Pascale Schröder

Ausbildungen in der Landwirtschaft

Im Bereich der Grundausbildung steht insbesondere die Betriebsleiterschule im Mittelpunkt. Diese Ausbildung zum diplomierten Landwirt richtet sich an Erwachsene Menschen ohne landwirtschaftliche Ausbildung, die nachschulisch oder auf dem zweiten Bildungsweg berufsbegleitend das landwirtschaftliche Diplom erlangen möchten. Sie wird in Ostbelgien vom Grünen Kreis, der Vereinigung der Junglandwirte organisiert und vermittelt über drei Jahre hinweg fundiertes Wissen in den Bereichen Betriebswirtschaft, Tierhaltung, Pflanzenbau, Recht und Agrarpolitik. Ergänzt wird dieser theoretische Unterricht (insgesamt 240 Stunden) durch eine strukturierte praktische Ausbildung (insgesamt 360 Stunden) auf anerkannten Betrieben, wodurch die Teilnehmenden ihre Kenntnisse direkt im Arbeitsalltag anwenden können. Diese Kombination aus Theorie und Praxis stellt sicher, dass zukünftige Betriebsleiter solide und umfassend vorbereitet sind.

Die Betriebsleiterschule ergänzt somit die weiteren Ausbildungsmöglichkeiten zum Landwirt in Ostbelgien. Neben dem schulischen Weg über ein landwirtschaftliches Abitur an der Bischöflichen Schule in St. Vith ist seit einigen Jahren auch die landwirtschaftliche Lehre (duale Ausbildung) möglich, die vom IAWM organisiert wird.

Eine weitere Ausbildung ist der Praktikanten-Ausbilderlehrgang, der Landwirte dazu befähigt, Praktikanten der Betriebsleiterschule und Lehrlinge auf dem eigenen Betrieb auszubilden. Diese Ausbildung besteht größtenteils aus pädagogischen Elementen, um junge Menschen während ihrer Ausbildung bestmöglich zu begleiten. In der Gesetzgebung der Deutschsprachigen Gemeinschaft ist festgelegt, dass die Ausbildung 120 Stunden umfasst und sich über zwei Winter erstreckt. Dies stellt viele Interessierte jedoch vor zeitliche und organisatorische Herausforderungen, sodass die Nachfrage in den letzten Jahren stark gesunken ist. Daher fordert das LSZ momentan in politischen Verhandlungen, dass der 36 Stunden umfassende Pädagogik-Kurs des IAWM, der zur Ausbildung von Lehrlingen befähigt, mit dem Praktikanten-Ausbilderlehrgang gleichgestellt wird, sodass man damit zukünftig auch Praktikanten der Betriebsleiterschule ausbilden darf. Sollte dies gelingen, würde der Lehrgang in seiner alten Form mit 120 Stunden in Zukunft nicht mehr angeboten werden.

Weiterbildungen in der Landwirtschaft

Neben der klassischen Ausbildung legt das LSZ großen Wert auf praxisnahe Weiterbildung. Ein Beispiel hierfür sind die b|u|s-Kurse (Bauern- und Unternehmerschulung), die sich gezielt an Betriebsleiter richten, die ihre unternehmerischen Kompetenzen weiterentwickeln möchten. Themen wie Betriebsstrategie, Arbeitsorganisation oder persönliche Weiterentwicklung stehen hier im Fokus.

Informationen zum nächsten b|u|s-Kurs finden Sie auf hiernach.

b|u|s-Kursus startet wieder mit neuer Modulreihe

Die Bauern- und Unternehmerschulung (b|u|s) der Andreas-Hermes-Akademie in Berlin startet aufgrund der hohen Nachfrage im letzten Jahr im Auftrag des Landwirtschaftlichen Schulungszentrums (LSZ) im Dezember 2026 wieder mit einer neuen Modulreihe in Ostbelgien!

Bei dieser Ausbildung wird das wichtigste Werkzeug auf dem landwirtschaftlichen Betrieb geschult und weiterentwickelt: der Betriebsleiter selbst! Nicht fachliche Themen stehen im Mittelpunkt, sondern der Landwirt mit seiner Persönlichkeit, seinen Visionen und seinem Betrieb. Die Schulung ist speziell für Landwirte ausgearbeitet, die die Zukunft ihres Hofes in die Hand nehmen wollen und sich den gestiegenen Anforderungen als Betriebsleiter stellen möchten. Dazu bedarf es heutzutage professioneller, unternehmerischer Kompetenzen, die man sich in diesen b|u|s-Kursen aneignen kannst. Neben dem Erwerb dieser Fähigkeiten und der Neuausrichtung des Betriebes geht es auch um den Umgang mit den anderen Menschen auf dem Betrieb, um Kommunikation, mehr Lebensqualität durch Zeitgewinn und Freude an den schönen Dingen im Leben. Der Betrieb soll zum Betriebsleiter passen und nicht umgekehrt!

Die gesamte b|u|s-Reihe umfasst 9 Module à zwei Tagen. Pro Winter werden drei Module angeboten, so dass sich die gesamte Weiterbildung über drei Jahre (2026-2029) erstreckt. Am Ende erhalten die Teilnehmer einen Unternehmerbrief verliehen. Mehr Infos zu b|u|s gibt es auch auf der Webseite www.andreas-hermes-akademie.de

Die ersten drei Termine in diesem Winter sind wie folgt:
– Modul 1 (Do. 10. und Fr. 11. Dezember 2026): Erfolg durch Persönlichkeit
– Modul 2 (Do. 21. und Fr. 22. Januar 2027): Betriebe in komplexen Zeiten
– Modul 3 (Do. 18. und Fr. 19. Februar 2027): Vision und Ziele

Der Kostenpreis pro Modul beträgt 300,- pro Modul und pro Person. Der zweite Teilnehmer aus dem Betrieb erhält 75€ „Familien“nachlass. Im Preis enthalten sind alle Seminarkosten, Getränke und Verpflegung, außer Mittagessen. Die Module finden alle in Amel statt.

Weitere Infos, eine ausführliche Beratung und die Möglichkeit zur Anmeldung gibt es bei Gerd Brüls unter 0475/79 31 15 oder gerd.bruls@bauernbund.be
Jeder, der Interesse hat und noch nicht genau weiß, ob BUS was für ihn sein könnte, kann sich telefonisch oder persönlich beraten lassen. Zögert also nicht, unverbindlich anzurufen.

Ein weiterer wachsender Bereich ist die Bauernhofpädagogik. Diese Angebote richten sich an landwirtschaftliche Betriebe, die ihre Hoftätigkeit um Bildungs- und Vermittlungsangebote erweitern möchten – etwa im Rahmen vom Projekt „Schule auf dem Bauernhof“. Die Kurse vermitteln sowohl didaktische Grundlagen als auch praktische Umsetzungsmöglichkeiten.

Auch spezialisiertes Fachwissen kommt nicht zu kurz: So organisiert das LSZ regelmäßig Fachkurse, etwa im Bereich der Klauenpflege, die eine wichtige Rolle für Tiergesundheit und Wirtschaftlichkeit spielen. Solche gezielten Weiterbildungen ermöglichen es den Teilnehmenden, ihr Wissen in konkreten Produktionszweigen zu vertiefen.

Ergänzt wird das Angebot durch eine Vielzahl niederschwelliger Formate wie Studientage, Studienversammlungen, Führungen oder Studienreisen. Diese Veranstaltungen bieten die Möglichkeit, sich zu aktuellen Themen zu informieren, neue Entwicklungen kennenzulernen und sich mit Berufskollegen auszutauschen.
Ein Klassiker bei den Studienversammlungen ist der Vortragsabend „Aktuelles aus der Landwirtschaft“, der jedes Jahr in allen regionalen Berufsgilden von der Geschäftsführerin des Bauernbundes, Ingrid Mertes angeboten wird.

Führerschein G

Seit dem Inkrafttreten des neuen Geschäftsführungsvertrages mit der Regierung der Deutschsprachigen Gemeinschaft und dem IAWM am 1. April 2024 verfügt das LSZ nicht nur über eigenes Personal (Koordination und Verwaltung) sondern bietet auch den praktischen Unterricht und Prüfung zum Traktorführerschein G in St.Vith in deutscher Sprache an. Dazu haben wir einen erfahrenen Fahrlehrer engagiert und einen Traktor inkl. Anhänger geleast. Das Prüfungsgelände an der Friedensstraße ist offiziell anerkannt und steht ganzjährig für uns zur Verfügung. Somit wurde eine mehrjährige Lücke in Ostbelgien geschlossen, denn es gab keine private Fahrschule mehr, die diesen Unterricht in deutscher Sprache anbieten konnte. Informationen zum Traktorführerschein gibt es hier.

Traktorführerschein G in St.Vith – jetzt frühzeitig anmelden!

Du möchtest mit 16 Jahren Traktor fahren und auf öffentlichen Straßen unterwegs sein? Dann ist der Führerschein G für Dich Pflicht. Das Landwirtschaftliche Schulungszentrum (LSZ) bietet bereits seit über zwei Jahren erfolgreich den praktischen Unterricht und die praktische Prüfung zum Traktorführerschein G direkt in St.Vith und in deutscher Sprache an. Nach der Sommerpause startet nun wieder der Unterricht.

Vor dem Start musst Du die theoretische Prüfung bestanden haben und mindestens 16 Jahre alt sein. Anschließend folgen die gesetzlich vorgeschriebenen 8 Stunden praktischer Unterricht (4 x 2 Stunden) mit einem erfahrenen Fahrlehrer. Geübt wird sowohl auf dem offiziellen Prüfungsgelände als auch auf öffentlichen Straßen. Traktor und Anhänger werden vom LSZ zur Verfügung gestellt.

Die Gesamtkosten für Unterricht und Prüfung belaufen sich auf 1.000 Euro. Dank der Unterstützung der Deutschsprachigen Gemeinschaft werden die Teilnehmenden mit Wohnsitz in einer der neun deutschsprachigen Gemeinden jedoch mit 500 Euro bezuschusst.

Die Nachfrage nach dem Angebot ist weiterhin sehr groß, weshalb eine Warteliste besteht. Wer den Führerschein absolvieren möchte, sollte sich daher frühzeitig anmelden, denn es besteht eine Wartezeit von 3-6 Monaten. Sobald ein Platz frei wird, setzt sich der Fahrlehrer mit den Kandidaten telefonisch in Verbindung.

Die Anmeldung erfolgt ganz einfach über die Webseite des LSZ. Dort finden Interessierte auch alle Informationen zu Voraussetzungen, Ablauf, Kosten und den nächsten Terminen: www.lsz-ostbelgien.be

Plane rechtzeitig – und starte pünktlich mit 16 Jahren in Deine praktische Ausbildung zum Führerschein G!

Das LSZ verfolgt bei allen Angeboten ein klares Ziel: Bildung soll praxisnah, zugänglich und bedarfsorientiert sein. Landwirtschaftliche Weiterbildung ist kein einmaliger Schritt, sondern ein lebenslanger Prozess – und das LSZ versteht sich als verlässlicher Partner auf diesem Weg.

Klare Rahmenbedingungen: Die gesetzliche Basis der landwirtschaftlichen Weiterbildung in Ostbelgien

Die Aus- und Weiterbildung in der Landwirtschaft der Deutschsprachigen Gemeinschaft basiert auf einer klar definierten gesetzlichen Grundlage. Zentral sind dabei das Dekret zur beruflichen Aus- und Weiterbildung der in der Landwirtschaft arbeitenden Personen vom 29. Februar 1988 und der dazugehörende Erlass vom 27. Mai 1993, der über die Jahre immer wieder angepasst wurde und zurzeit komplett neu geschrieben wird.

Das Dekret wurde seinerzeit vor allem von den Junglandwirten des Grünen Kreises und der Regierung verhandelt. Zentral war vor allem die Entwicklung einer nachschulischen Ausbildung zum diplomierten Landwirt (die sogenannte Betriebsleiterschule) in deutscher Sprache in Ostbelgien. Hierbei war es den Landwirten wichtig, dass diese Ausbildung qualitativ hochwertig war, die Referenten aus der Praxis kamen und sowohl die Theorie als auch die Praxis umfangreich und umfassend waren. Somit wurde die Ausbildung als ein berufsbegleitendes Angebot über drei Jahre entwickelt, an dem die Teilnehmenden an einem Tag in der Woche tagsüber in den Wintermonaten Oktober bis März die Schulbank drücken. Zum Vergleich: die Ausbildung in der Französischsprachigen Gemeinschaft (cours A und B) umfasst insgesamt rund 200 Stunden und kann innerhalb eines Jahres absolviert werden.

Der Erlass regelt zudem umfassend, welche Bildungsangebote vorgesehen sind, wie sie organisiert werden und unter welchen Bedingungen sie anerkannt und bezuschusst werden können. Dabei wird grundsätzlich zwischen Ausbildung und Weiterbildung unterschieden.

Die Weiterbildung richtet sich an bereits in der Landwirtschaft tätige Personen. Sie umfasst Lehrgänge zu technischen, wirtschaftlichen oder rechtlichen Fragestellungen sowie Formate wie Studientage, Studienversammlungen, Führungen und Studienreisen. Diese Angebote dienen dazu, Fachwissen zu vertiefen und Entwicklungen im Sektor aufzugreifen. Im Erlass ist genau beschrieben, wie welches Format aufgebaut ist, bzw. welche Länge es hat.

Ebenso detailliert geregelt ist die finanzielle Förderung. Die Zuschüsse erfolgen in Form fester Pauschalen, beispielsweise pro Studientag oder Unterrichtsstunde. Diese Unterstützung ermöglicht es den anerkannten Zentren, qualitativ hochwertige Bildungsangebote zu organisieren und gleichzeitig für die Teilnehmer erschwinglich zu halten. Zu Beginn eines jeden Arbeitsjahres (September-August) stellt jedes Zentrum einen Antrag an die Aufsichtsbehörde, dem IAWM, mit einer Aufstellung aller geplanten Aktivitäten und den dazugehörigen Fördersummen. Dabei sprechen sich die fünf anerkannten Zentren in der Deutschsprachigen Gemeinschaft untereinander ab, da die Gesamtsumme auf 60.000 EUR pro Jahr gedeckelt ist. Dem LSZ wurde dabei die Aufgabe der Gesamtkoordination übertragen.

 

Wer macht was in der landwirtschaftlichen Aus- und Weiterbildung in Ostbelgien?

Die Aus- und Weiterbildung der in der Landwirtschaft tätigen Personen gehört in Ostbelgien seit fast 40 Jahren zu den Befugnissen der Deutschsprachigen Gemeinschaft. Die rechtliche Grundlage bildet das Dekret vom 29. Februar 1988 zur beruflichen Aus- und Weiterbildung der in der Landwirtschaft arbeitenden Personen sowie die dazugehörigen Erlasse der Regierung. Daraus ergibt sich die Anerkennung von landwirtschaftlichen Aus- und Weiterbildungszentren der Kategorien A, B und C. In Ostbelgien sind derzeit fünf anerkannte Zentren tätig (siehe Schema).

Diese fünf anerkannten Zentren sind das Landwirtschaftliche Schulungszentrum (LSZ), die Vereinigung für Aus- und Weiterbildung in der Landwirtschaft (VAL), die Fédération Wallonne de l’Agriculture (FWA) Ostbelgien, die Milcherzeuger-Interessengemeinschaft (MIG) DG und der Studienring Faunus. Gemeinsam sorgen sie für ein vielfältiges und praxisnahes Bildungsangebot für die Landwirtschaft in Ostbelgien.

Eine besondere Rolle nimmt dabei das LSZ ein. Es ist das einzige anerkannte Zentrum der Kategorie A und damit das einzige Zentrum, das neben Weiterbildungen auch landwirtschaftliche Ausbildungen anbieten darf. Dazu gehören insbesondere die diplomierte Ausbildung zum Betriebsleiter (Betriebsleiterschule), deren Organisation und Durchführung durch den Grünen Kreis gewährleistet wird.
Zum LSZ gehören traditionell der Bauernbund beziehungsweise die Ländlichen Gilden, der Grüne Kreis sowie die AgraFrauen und die East Belgian Farmer Ladies.
Die übrigen Zentren konzentrieren sich vor allem auf die Weiterbildung. Sie organisieren Studienabende, Fachveranstaltungen, Führungen und den fachlichen Austausch unter Berufskollegen. Die VAL bildet dabei das Dach für verschiedene Organisationen wie die Rindviehzüchtervereinigungen, Agra-Ost, das Technische Institut St.Vith, Arsia Rocherath und weitere Studienringe. Die FWA Ostbelgien vertritt die professionellen Landwirte, die MIG die Milcherzeuger, während der Studienring Faunus den Wissens- und Erfahrungsaustausch zwischen Landwirten fördert.

Seit dem Abschluss des Geschäftsführungsvertrags mit der Regierung der Deutschsprachigen Gemeinschaft im Jahre 2024 übernimmt das LSZ zusätzlich eine Koordinationsfunktion für alle fünf anerkannten Zentren. Ziel ist es, die Bildungsangebote besser aufeinander abzustimmen, Synergien zu schaffen und Doppelangebote zu vermeiden. Dazu organisiert das LSZ regelmäßige Koordinationsversammlungen, stimmt Jahresprogramme ab und fördert gemeinsame Projekte und Veranstaltungen.

Der Geschäftsführungsvertrag ermöglicht dem LSZ zudem als einzigem Zentrum eine eigene personelle Ausstattung mit Koordinations- und Verwaltungsaufgaben. Dadurch kann das LSZ nicht nur eigene Bildungsangebote weiterentwickeln, sondern auch als zentrale Anlaufstelle für die landwirtschaftliche Aus- und Weiterbildung in Ostbelgien wirken. Wichtigstes Instrument dafür ist die Internetplattform www.lsz-ostbelgien.be, auf der auch die Weiterbildungsangebote aller Zentren veröffentlicht werden.

So steht die landwirtschaftliche Bildung in Ostbelgien heute auf mehreren starken Säulen: Die anerkannten Zentren bringen ihre jeweiligen Zielgruppen, Fachkenntnisse und Netzwerke ein, während das LSZ als einziges Zentrum der Kategorie A die Ausbildungsaufgaben übernimmt und die Zusammenarbeit der verschiedenen Akteure koordiniert.

Damit schafft die Deutschsprachige Gemeinschaft einen stabilen und transparenten Rahmen für die kontinuierliche Qualifizierung im Agrarsektor – eine gute Voraussetzung für die Zukunftsfähigkeit der Landwirtschaft in der Region.
Dennoch stellt das LSZ deutlich fest, dass zum einen die gesetzlichen Rahmenbedingungen den Veränderungen in der Landwirtschaft nicht immer entsprechen und hier dringend Anpassungsbedarf besteht. Zum anderen sinkt zwar die Anzahl der Landwirte durch den Strukturwandel kontinuierlich, aber die Weiterbildungsangebote zum lebenslangen Lernen werden immer wichtiger und teurer, so dass eine Anpassung, bzw. Umschichtung der Gesamtfinanzierungssumme bei der Aus- und Weiterbildung erforderlich sein wird. Daher führt das LSZ ständige Verhandlungen mit der Deutschsprachigen Gemeinschaft.

Den Überblick behalten – wie das LSZ informiert

Gute Bildungsangebote nützen wenig, wenn sie nicht gefunden werden. Deshalb setzt das Landwirtschaftliche Schulungszentrum (LSZ) bewusst auf verschiedene Wege, um Landwirte schnell und unkompliziert zu erreichen.

Die wichtigste Plattform ist die Webseite https://www.lsz-ostbelgien.be

Hier finden Interessierte alle aktuellen Angebote – von der Betriebsleiterschule bis zu einzelnen Studientagen. Inhalte, Termine und organisatorische Informationen sind übersichtlich gebündelt und jederzeit abrufbar.

Ergänzt wird die Webseite durch eine WhatsApp-Gruppe, über die kurzfristige Informationen weitergegeben werden. Neue Kurse, freie Plätze oder Änderungen erreichen die Mitglieder direkt auf das Smartphone – ohne lange Suche.

Diese Kombination hat sich bewährt: Während die Webseite strukturiert informiert, sorgt WhatsApp gemeinsam mit den bekannten Kanälen auf Social-Media für schnelle Updates im Alltag. Gerade in einem Berufsfeld, in dem Zeit knapp ist, ist das ein großer Vorteil.

Daneben spielen auch klassische Wege weiterhin eine Rolle. Artikel in „Der Bauer“, den kostenlosen Wochenblättern und dem GrenzEcho sowie Interviews und Werbespots beim BRF tragen neben den persönliche Kontakten und Hinweisen bei Veranstaltungen dazu bei, dass die Angebote sichtbar bleiben und die Zielgruppe erreichen.

Das Ziel des LSZ ist dabei klar: Die Informationen sollen dort ankommen, wo sie gebraucht werden – einfach, verständlich und ohne Umwege.
Und dabei möchte das LSZ die Zielgruppe auch über den klassischen Landwirt im Haupt- oder Nebenerwerb erweitern. Hobby-Landwirte und an der Landwirtschaft interessierte Bürger sowie junge Menschen, die mit dem Gedanken spielen, beruflich in den breitgefächerten Bereich der Landwirtschaft einzusteigen, sollen ebenfalls so erreicht werden.

Öffentlichkeitsarbeit zur Stärkung des Images der Landwirtschaft

Das LSZ versteht sich auch als Akteur zur Stärkung des Images der Landwirtschaft in der Gesellschaft und setzt aus diesem Grund mehrere Projekte und Veranstaltungen um.

Das „Leuchtturm-Projekt“ ist die „Schule auf dem Bauernhof“, bei der alle Schulen in Ostbelgien eingeladen sind, mindestens einmal im Jahr das Klassenzimmer mit dem Bauernhof zu tauschen und den Unterricht in anregender Umgebung fortzuführen. Begleitet wird dieses Projekt von einer Reihe zertifizierter Bauernhofpädagoginnen, die ihr Angebot auch auf der Webseite des LSZ präsentieren. Des Weiteren präsentiert das LSZ die Landwirtschaft gemeinsam mit dem Grünen Kreis und Agra-Ost auf dem „Bauernhof zum Anfassen“ im Rahmen des Erntedankumzuges der Stadt Eupen, wo jährlich tausende Besucher mitten in der Stadt auf Tuchfühlung mit der Landwirtschaft gehen.
Ebenso jährlich organisiert das LSZ einen Vortragsabend für die breite Öffentlichkeit zu einem landwirtschaftlich-gesellschaftlichem Thema wie beispielsweise Ernährungssicherheit, Bio-Landwirtschaft oder Ethik in der Landwirtschaft. An diesem Abend soll bewusst kontrovers und kritisch unter Landwirten und Bürgerinnen und Bürgern diskutiert und ausgetauscht werden.

Einige Zahlen, Daten und Fakten zu unseren Angeboten

Im Arbeitsjahr 2025-2026 fanden folgende Aktivitäten des LSZ (Grüner Kreis, Bauernbund und Agra-Frauen) statt:

  • Eine Betriebsleiterschule (2. Modul) mit 25 Schülerinnen und Schülern
  • Acht mehrtägige Weiterbildungskurse (5 b|u|s Kurse, 2 Lehrgänge Bauernhofpädagogik, 1 Klauenpflegekurs)
  • Ein Studientag
  • Zwei Kontaktabende (Startveranstaltung mit Programmvorstellung)
  • 21 Studienversammlungen (Vorträge)
  • 10 Führungen (Besichtigungen)
  • Eine Studienreise
  • 32 Führerscheinabsolventen Traktorführerschein G

Insgesamt haben an allen Veranstaltungen zusammen gezählt rund 800 Menschen teilgenommen.

Ideen für zukünftige Angebote und Projekte

Die Landwirtschaft steht nicht nur vor aktuellen Herausforderungen – sie muss sich auch langfristig neu aufstellen. Strukturwandel, geopolitische Veränderungen, steigende Anforderungen und sich verändernde gesellschaftliche Erwartungen verlangen nach neuen Wegen in Bildung und Begleitung. Das Landwirtschaftliche Schulungszentrum (LSZ) möchte daher sein Angebot gezielt weiterentwickeln und um neue Themenfelder ergänzen, die über die klassische Aus- und Weiterbildung hinausgehen und den Menschen hinter dem Betrieb stärker in den Mittelpunkt rücken.

Ein zentraler Ansatzpunkt ist dabei die Berufsorientierung in der Landwirtschaft. Immer mehr junge Menschen interessieren sich für eine Tätigkeit im Agrarsektor, verfügen jedoch nicht über einen eigenen Betrieb mit familiärem Hintergrund. Gleichzeitig fehlt oft der Überblick über die bestehenden Ausbildungswege und beruflichen Möglichkeiten. Genau hier kann das LSZ künftig ansetzen:

  • Wie werde ich Landwirt oder Landwirtin?

Informationsangebote sollen die verschiedenen Ausbildungswege sichtbar machen – vom schulischen Weg über die Lehre, dem Studium bis hin zur Betriebsleiterschule im zweiten Bildungsweg.

  • Welche Berufsbilder gibt es in der Landwirtschaft?

Neben der klassischen Betriebsleitung eröffnet der Agrarsektor eine Vielzahl von Tätigkeiten, etwa als Herdenmanager, Berater, Versuchsmitarbeiter, Angestellter auf Betrieben oder im vor- und nachgelagerten Bereich. Diese Vielfalt soll künftig stärker aufgezeigt und greifbar gemacht werden.

  • Wie kann ich in der Landwirtschaft Fuß fassen ohne eigenen Hof?

Gerade für Quereinsteiger oder Nicht-Hoferben sollen Perspektiven aufgezeigt werden, wie ein Einstieg dennoch gelingen kann – etwa über Beschäftigungsverhältnisse, Kooperationen oder schrittweise Entwicklungen in den Beruf hinein.

Solche Angebote könnten in Form von Informationsveranstaltungen, Workshops, Schulprojekten oder individuellen Beratungsgesprächen umgesetzt werden. Ziel ist es, Orientierung zu geben und neue Zielgruppen für die Landwirtschaft zu erschließen – ein Anliegen, das bereits heute im Fokus der Öffentlichkeitsarbeit des LSZ steht.

 

Ein zweiter wichtiger Zukunftsbereich liegt in der Begleitung von Betriebsübernahmen und beruflichen Übergängen. Während rechtliche und finanzielle Aspekte häufig im Vordergrund stehen, zeigt die Praxis, dass insbesondere die zwischenmenschlichen Herausforderungen oft entscheidend für den Erfolg einer Hofübergabe sind.

Hier möchte das LSZ neue Formate entwickeln, die gezielt auf die persönliche Ebene eingehen:

  • Kommunikation innerhalb der Familie bzw. zwischen Übergeber/Übernehmer

Wie spreche ich Erwartungen, Sorgen und Visionen offen an? Wie gelingt ein konstruktiver Austausch zwischen den Generationen?

  • Umgang mit Konflikten und Rollenveränderungen

Eine Betriebsübernahme bedeutet Veränderung für alle Beteiligten – sowohl für die Übergeber als auch für die Übernehmer. Unterstützung in dieser Phase kann helfen, Konflikte frühzeitig zu erkennen und zu lösen.

  • Persönlichkeitsentwicklung und Führungsrolle

Die Rolle als Betriebsleiter erfordert unternehmerisches Denken, Entscheidungsstärke und Führungskompetenz. Diese Fähigkeiten sollen gezielt gefördert werden. Neben den b|u|s und b|u|s Plus Kursen könnte dies auch in weiteren Trainings oder im individuellen Coaching geschehen und das eigene Handeln dort reflektiert und analysiert werden.

  • Coaching und individuelle Begleitung

Ergänzend zu Gruppenformaten kann eine persönliche Betreuung in Form von Einzelcoachings eine wertvolle Unterstützung bieten – insbesondere in sensiblen Übergangsphasen.

Diese neuen Angebote können vom klassischen Workshop über mehrtägige Trainings bis hin zu längerfristigen Coaching-Programmen reichen. Sie würden damit eine wichtige Ergänzung zu den bestehenden fachlichen Weiterbildungen darstellen und den ganzheitlichen Ansatz des LSZ weiter stärken.

Mit der Weiterentwicklung in diesen beiden Bereichen – Berufsorientierung und persönliche Begleitung – setzt das LSZ ein klares Zeichen für die Zukunft: Landwirtschaftliche Bildung endet nicht bei Fachwissen, sondern umfasst auch Orientierung, Persönlichkeitsentwicklung und die aktive Gestaltung des eigenen beruflichen Weges.

So bleibt das Ziel unverändert: Bildung soll praxisnah, zugänglich und vor allem zukunftsorientiert sein – damit die Landwirtschaft in Ostbelgien auch morgen gut aufgestellt ist.