Bayer-Versuchsplattform in Houtain-le-Val

Weniger Mittel, aber mehr Strategie auf der Bayer-Testplattform

Verfasst am 26.08.2026
Veröffentlicht in Ausgabe 2026 - 15

Auf der Versuchsplattform von Bayer, die seit mehr als dreißig Jahren am selben Standort ausgebaut wird, werden praxisorientierte Lösungen für verschiedene Ackerkulturen getestet. Bei der jüngsten Besichtigung der Versuchsfelder lag der Schwerpunkt darauf, wie sich der Pflanzenschutz zunehmend in Richtung gezielter und zeitlich gut abgestimmter Maßnahmen verlagert. Dies knüpft eng an Fragen an, die auch in der Praxis aktuell sind: Wann beginnt man mit der Behandlung, wie lange bleibt eine Saatgutbehandlung wirksam und wie erstellt man einen zuverlässigen Zeitplan in einem Kontext mit weniger verfügbaren Mitteln?

Während des Rundgangs wurde vor allem deutlich, wie stark sich der Pflanzenschutz in den letzten Jahren verändert hat. Erfolgreicher Pflanzenschutz dreht sich immer weniger um einzelne Produkte und immer mehr um eine durchdachte Strategie. Durch den Wegfall von Wirkstoffen, den zunehmenden Resistenzdruck und sich verändernde klimatische Bedingungen wird es immer wichtiger, Wirkmechanismen zu kombinieren, Anwendungen zeitlich richtig abzustimmen und für ausreichende Abwechslung zu sorgen. Die Praxisversuche zeigen vor allem, dass eine nachhaltige Schädlingsbekämpfung heute nicht aus einer einzigen Lösung resultiert, sondern aus einem flexiblen System, das auf die Bedingungen der Parzelle und die Jahreszeit eingeht. Für Landwirte liegt die Herausforderung daher immer weniger in der Wahl eines einzelnen Produkts und immer mehr im Aufbau eines robusten Systems, das wechselnden Bedingungen und zukünftigen Resistenzproblemen standhält.

Nach dem Wegfall von Flufenacet wird das Rätsel komplexer

Bei Wintergetreide stand vor allem die Suche nach Alternativen zu Flufenacet im Mittelpunkt. Laut Bayer stellt der Wegfall dieses Wirkstoffs eine deutliche Herausforderung für die Bekämpfung von Gräsern wie Rispengras, Weidelgras und Winde dar. Gleichzeitig wurde auf ein oft unterschätztes Problem hingewiesen. Resistenzen beschränken sich nicht mehr nur auf gräsartige Unkräuter. Auch Kamille, Mohn und Mauerpfeffer lassen sich auf immer mehr Parzellen nur noch schwer bekämpfen. Werden solche Unkräuter im Frühjahr nicht ausreichend bekämpft, bleibt eine Behandlung im Herbst oft die einzige wirksame Option.

Während der Begehung wurde dabei auf praktische Erfahrungen der vergangenen Jahre verwiesen. Auf einigen Parzellen an der Küste entwickelte sich die Kamille nach einem schwierigen Frühjahr so stark, dass der Weizen zwischen den blühenden Pflanzen kaum noch zu erkennen war. Laut Bayer zeigt dies, dass breitblättrige Unkräuter nicht länger unterschätzt werden dürfen und dass sich die Resistenz nicht auf die klassischen Problemgräser beschränkt. Die Versuche zeigen, dass einzelne Wirkstoffe meist nicht breit genug wirken. Daher verlagert sich die Strategie hin zu Kombinationen verschiedener Wirkmechanismen. Vor allem Kombinationen mit Mateno Duo, auf Basis von Aclonifen und Diflufenican, ergänzt durch Partnerwirkstoffe, sollen den Verlust an effizienter Grasbekämpfung ausgleichen.

Eine weitere wichtige Erkenntnis ist, dass eine perfekte Unkrautbekämpfung mit einer einzigen Herbstanwendung immer schwieriger wird. Auf Problemflächen wird zunehmend ein System erforderlich, bei dem auf eine Herbstbehandlung eine Korrektur zu einem späteren Zeitpunkt in der Saison folgt.

Resistenz ist ein Problem, das oft unbemerkt beginnt

Ein auffälliger Aspekt der Besichtigungstour war die Aufmerksamkeit, die dem Thema Resistenz gewidmet wurde. Laut Bayer entsteht Resistenz oft viel früher, als Landwirte vermuten. Eine Parzelle kann noch relativ sauber aussehen, während einige überlebende Pflanzen dennoch genügend Samen produzieren, um die Population weiter aufzubauen. Bis die Probleme visuell erkennbar werden, sind oft bereits mehrere Jahre verloren gegangen. Bei metabolischer Resistenz nimmt die Empfindlichkeit allmählich ab. Die Mittel wirken zunächst noch, liefern aber Jahr für Jahr einen geringeren Ertrag. Dadurch geht oft wertvolle Zeit verloren, bevor das Problem wirklich sichtbar wird.

Neben der chemischen Bekämpfung bleibt auch die Anbautechnik wichtig. Bayer wies dabei auf die Bedeutung eines falschen Saatbetts, der Vermeidung von Samenbildung und des gelegentlichen Pflügens hin. Insbesondere bei Disteln kann das Pflügen einen erheblichen Teil des Samens unterarbeiten, wodurch der Druck kurzfristig abnimmt. „Schon ein einziger Pflugdurchgang kann einen Großteil des vorhandenen Saatguts aus der Keimzone entfernen, vorausgesetzt, die Parzelle wird danach einige Jahre lang nicht erneut gepflügt.“

Die Vegetationsperioden bei Weizen beginnen früher

Die Krankheitsversuche zeigten, wie deutlich sich die Entwicklung von Weizen vorverlagert hat. Auf der Versuchsfläche war die Fahnenblattphase bereits Mitte Mai abgeschlossen. Laut Bayer könnte die Ernte an diesem Standort inzwischen rund zwei Wochen früher als noch vor zehn Jahren beginnen. Fungizidmaßnahmen lassen sich damit immer weniger nach festen Kalenderterminen planen. Im Mittelpunkt stand der Braunrost, der sich bei warmen Temperaturen rasch ausbreiten kann. Besonders anfällige Sorten müssen daher frühzeitig kontrolliert und behandelt werden. Die Versuche zeigten zudem, dass neben dem Wirkstoff auch die Formulierung eines Fungizids die Wirkung und Nachwirkung beeinflusst. Auch bei reduzierten Dosierungen ist Vorsicht geboten: Wiederholte Anwendungen mit zu niedrigen Mengen können den Resistenzdruck erhöhen. Eine korrekte Dosierung bleibt daher ein wichtiger Bestandteil einer nachhaltigen Krankheitsbekämpfung.

Kombinationen als Grundlage bei Mais

Bei Mais stand der zunehmende Resistenzdruck bei Sommergräsern wie Hahnenfuß, Nadelgras und Bluthirse im Fokus. Während das Problem in Belgien bislang weniger ausgeprägt ist als in Frankreich, werden erste Entwicklungen aufmerksam beobachtet. Dort zeigen bestimmte Gräser bereits eine geringere Empfindlichkeit gegenüber Sulfonylharnstoffen.

Laut Bayer bestätigen die Versuche, dass einseitige Wirkmechanismen langfristig keine Lösung sind. Robuste Behandlungsschemata kombinieren deshalb Bodenherbizide mit unterschiedlichen Wirkmechanismen, etwa Triketonen und Sulfonylharnstoffen. Gerade in trockenen Jahren gewinnt die Nachwirkung an Bedeutung. Die Schlussfolgerung: Ein möglichst vielfältiger Wirkmechanismus bleibt entscheidend, um Resistenzen vorzubeugen.

Wirkung, Formulierung und Zeitpunkt der Anwendung von Roundup

Die Glyphosat-Versuche untersuchten vor allem den Einfluss von Regen und Formulierung. Bereits 20 Minuten beziehungsweise eine Stunde nach der Ausbringung wurde künstlicher Regen von 8 mm simuliert.

Dabei zeigten sich insbesondere bei sehr frühem Regen deutliche Unterschiede zwischen den Formulierungen. Die optimierte Formulierung behielt ihre Wirkung auch nach einem Regenschauer eine Stunde nach der Anwendung weitgehend bei. Bei Generika waren die Unterschiede vor allem bei schwer bekämpfbaren Unkräutern wie Kamille und Distel größer.

Die Versuche unterstreichen damit die Bedeutung von Formulierung, Aufnahme und Regenfestigkeit für die praktische Wirksamkeit von Glyphosat.

Tom Dewanckele

Überwuchernde Kamille