Die außergewöhnlich hohe Sonneneinstrahlung förderte zwar die Photosynthese und das Pflanzenwachstum, verstärkte in Kombination mit der Hitze jedoch den Wasserverbrauch der Kulturen und kündigte die zunehmende Trockenheitsproblematik im weiteren Saisonverlauf an.
Grünland: Gute Ausgangslage – Hitzewelle bremst das Wachstum
Für die Grünlandbetriebe in Ostbelgien verlief das Frühjahr 2026 zunächst ausgesprochen erfreulich. Die Kombination aus ausreichenden Niederschlägen, milden Temperaturen und später einer hohen Sonneneinstrahlung sorgte für einen kräftigen ersten Aufwuchs. Entsprechend konnten vielerorts gute Futtervorräte für den kommenden Winter angelegt werden. Erst mit den außergewöhnlich hohen Temperaturen Ende Juni änderte sich die Situation spürbar.
Nach Einschätzung der Fachleute des wallonischen Beratungsdienstes Fourrages Mieux verlief die erste Saisonhälfte für die Grünlandbewirtschaftung insgesamt positiv. Auch Referenzdaten aus Nordfrankreich zeigen, dass die Grasproduktion im Frühjahr rund 20 Prozent über dem langjährigen Mittel lag. Damit bestätigte sich erneut, dass ausreichend Niederschläge im Frühjahr eine entscheidende Grundlage für hohe Futtererträge bilden.
Kräftiger Frühjahrsaufwuchs
Vor allem im April und Anfang Mai entwickelten sich die Wiesen außergewöhnlich gut. Die Kombination aus Bodenfeuchtigkeit und zunehmend längeren Sonnenscheinphasen sorgte für hohe Zuwachsraten. Viele Betriebe konnten qualitativ hochwertiges Grundfutter ernten und damit ihre Wintervorräte frühzeitig absichern.
Auch auf den Weiden stand ausreichend Gras zur Verfügung. Während in trockenen Jahren häufig bereits im Frühsommer Futterknappheit droht, war die Ausgangslage 2026 deutlich günstiger. Die guten Erträge des Frühjahrs verschafften vielen Betrieben eine gewisse Reserve für den weiteren Saisonverlauf.
Hitze stoppt das Graswachstum
Mit der Hitzewelle in der zweiten Junihälfte änderten sich die Bedingungen jedoch deutlich. Temperaturen von weit über 30 °C führten dazu, dass das Graswachstum vielerorts stark zurückging oder zeitweise ganz zum Erliegen kam. Besonders betroffen waren Flächen mit flachgründigen Böden oder geringeren Wasserreserven.
Die Feldbeobachtungen zeigen, dass sich der Wachstumsrückgang vor allem auf den wärme- und trockenheitsanfälligeren Standorten bemerkbar machte. Dort reagierten die Pflanzen mit einer deutlichen Verlangsamung ihrer Entwicklung.
Für die Grünlandregion Ostbelgien ist dies eine wichtige Erkenntnis. Obwohl ausreichend Niederschläge gefallen waren, reichten die hohen Temperaturen aus, um durch die starke Verdunstung den Boden rasch auszutrocknen. Nicht allein die Regenmenge entscheidet heute über das Pflanzenwachstum – entscheidend ist zunehmend das Zusammenspiel von Niederschlag, Temperatur und Verdunstung.
Weidemanagement gewinnt an Bedeutung
Ein zentrales Ergebnis der Beobachtungen betrifft die Höhe des Restaufwuchses nach dem Beweiden. Betriebe, die ihre Flächen nicht zu kurz abgeweidet hatten und einen Restbestand von mehr als acht Zentimetern stehen ließen, verzeichneten auch während der Hitze eine deutlich bessere Nachwuchsleistung. Anders sah es auf intensiv abgeweideten Flächen aus. Wurde das Gras bis auf etwa fünf Zentimeter oder weniger abgefressen, verlief die Regeneration erheblich langsamer. Ursache ist die geringere Blattfläche, die der Pflanze für die Photosynthese zur Verfügung steht. Unter Hitze- und Trockenstress verschärft sich dieser Effekt zusätzlich.
Gerade für Betriebe mit Portions- oder Umtriebsweide bestätigt sich damit eine Empfehlung, die angesichts zunehmender Wetterextreme weiter an Bedeutung gewinnt: In Hitzeperioden sollte möglichst ausreichend Blattmasse stehen bleiben, um die Regenerationsfähigkeit der Grasnarbe zu erhalten.
Futterreserven geben Sicherheit
Trotz der verlangsamten Grasproduktion bewerten die Experten die Versorgungslage Ende Juni insgesamt als gut. Auf den beobachteten Betrieben standen noch ausreichend Futterreserven auf den Flächen zur Verfügung, sodass die Weidesaison voraussichtlich ohne größere Engpässe fortgesetzt werden konnte.
Allerdings weisen die Autoren des Bulletins darauf hin, dass eine länger anhaltende Trockenperiode diese Reserven rasch aufbrauchen könnte. Deshalb bleibt die Entwicklung der Bodenfeuchtigkeit im Juli und August ein entscheidender Faktor für den weiteren Saisonverlauf.
Hitzestress belastet Milchkühe
Während das Futterangebot Ende Juni vielerorts noch ausreichend war, machte sich die Hitze unmittelbar bei den Milchkühen bemerkbar. Zahlreiche Milchviehbetriebe meldeten sinkende Milchleistungen.
Interessant ist dabei die Ursache: Nach Einschätzung der Fachleute lag der Rückgang zunächst nicht an Futtermangel, sondern am Hitzestress der Tiere selbst. Bei hohen Temperaturen reduzieren Kühe ihre Futteraufnahme, verändern ihr Verhalten und setzen einen größeren Teil ihrer Energie zur Kühlung des Körpers ein. Dadurch sinkt die Milchleistung häufig bereits nach wenigen heißen Tagen deutlich. Viele Betriebe reagierten deshalb mit angepassten Haltungsmaßnahmen. Kühe wurden während der heißesten Tagesstunden häufiger im Stall gehalten, sofern dort ausreichend Belüftung vorhanden war. Gleichzeitig gewann eine jederzeit verfügbare Wasserversorgung noch stärker an Bedeutung.
Gerade in Ostbelgien mit seinem hohen Anteil an Milchviehbetrieben zeigen diese Entwicklungen, dass sich Hitzestress zunehmend zu einem wirtschaftlichen Faktor entwickelt. Neben der Futterversorgung rückt deshalb auch das Stallklima immer stärker in den Mittelpunkt des Herdenmanagements.
Die Trockenheit entwickelt sich schleichend
Obwohl Mai und Juni vielerorts ausreichend Niederschläge brachten, zeigt der meteorologische Trockenheitsindex SPEI bereits eine andere Entwicklung. Dieser Index berücksichtigt nicht nur den Niederschlag, sondern auch die Verdunstung und liefert damit ein realistischeres Bild der verfügbaren Wassermenge im Boden.
Nach einem trockenen Jahresbeginn entspannte sich die Situation zunächst wieder. Ende Juni zeichnete sich jedoch erneut eine zunehmende Austrocknung ab. Besonders betroffen waren bereits Teile der Ardennen, der Juraregion und weitere südliche Landesteile. Für die kommenden Wochen erwarteten die Fachleute eine weitere Ausbreitung trockener Bereiche.
Abbildung 4 Räumliche Verteilung des SPEI-3 Trockenindex vom 30. Juni 2025 (links) und vom 30. Juni 2026 (rechts)