Agrometeorologischer Rückblick Frühjahr 2026

Zwischen idealen Wachstumsbedingungen und Wetterextremen

Verfasst am 26.08.2026
Abgelegt unter Klima
Veröffentlicht in Ausgabe 2026 - 15

Der Frühling 2026 war von starken Wetterextremen geprägt. Nach einem trockenen Jahresbeginn wechselten sich im Mai und Juni kühle, feuchte Phasen mit außergewöhnlicher Hitze ab. Während die Kulturen zunächst von guten Wachstumsbedingungen profitierten, verursachten Starkregen, Hagel und hohe Temperaturen regional erhebliche Schäden.

In Ostbelgien sorgte das Frühjahr zunächst für einen kräftigen Grünlandaufwuchs und gut gefüllte Futterlager. Ende Juni bremsten jedoch hohe Temperaturen das Graswachstum und führten vielerorts zu Hitzestress bei Milchkühen mit entsprechenden Leistungseinbußen. Die anhaltenden Hitzewellen und die ausgeprägte Trockenheit im Juli und Anfang August haben die Situation zusätzlich verschärft: Vor allem Grünland und Silomais leiden inzwischen unter Wassermangel, während die Futterreserven für viele Betriebe zunehmend an Bedeutung gewinnen. Das aktuelle agrometeorologische Bulletin des Belgian Crop Growth Monitoring System (B-CGMS), das in Zusammenarbeit mit dem Centre wallon de Recherches agronomiques (CRA-W), dem Vlaams Instituut voor Technologisch Onderzoek (VITO) und dem Königlichen Meteorologischen Institut Belgien KMI veröffentlich wurde, zeigt eindrucksvoll, wie stark extreme Wetterereignisse die Landwirtschaft bereits heute prägen – und wie aktuell die darin beschriebenen Herausforderungen sind.

Mai: Warmes Wetter fördert das Pflanzenwachstum

Der Mai 2026 gehörte zu den wärmsten seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. Die hohen Temperaturen und eine überdurchschnittliche Sonneneinstrahlung förderten die Entwicklung von Wintergetreide, Grünland und Frühjahrskulturen, beschleunigten aber zugleich deren Vegetation.

Abbildung 1: Temperaturabweichungen im Mai 2026 (links) gegenüber dem langjährigen Mittel 1991-2020 (rechts)

Regional sorgten heftige Gewitter am 30. Mai mit Starkregen, Hagel und Sturmböen für Überschwemmungen, Erosion sowie Schäden an Getreide- und Kartoffelbeständen. Ostbelgien blieb von den extremsten Niederschlagsmengen weitgehend verschont, dennoch verdeutlichten die Ereignisse die zunehmende lokale Intensität von Unwettern.

Die hohe Sonneneinstrahlung wirkte sich insbesondere im Futterbau positiv aus. In Verbindung mit einer guten Bodenfeuchte sorgte sie für kräftiges Pflanzenwachstum und eine hohe Biomasseproduktion.

Juni: Rekordwärme erhöht den Trockenstress

Der Juni 2026 war der zweitwärmste seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. Eine Hitzewelle in der zweiten Monatshälfte mit Temperaturen von bis zu 35,5 °C beschleunigte die Entwicklung vieler Kulturen, erhöhte jedoch gleichzeitig den Hitzestress für Pflanzen und Nutztiere.

Abbildung 2: Temperaturabweichungen im Juni 2026 : links die Durchschnittswerte des Monats, rechts die Abweichungen im Vergleich zum Mittel 1991-2020.

Trotz überdurchschnittlicher Niederschläge waren die Regenmengen regional sehr unterschiedlich verteilt. Während einige Gebiete ausreichend Wasser erhielten, zeichnete sich vor allem in Teilen der südlichen Wallonie bereits ein Wasserdefizit ab. Die hohen Temperaturen führten zudem zu einer starken Verdunstung und einer raschen Austrocknung der Böden – insbesondere für Grünland und Mais wurde die Wasserversorgung zunehmend zum limitierenden Faktor.

Abbildung 3: Niederschlagsverteilung im Juni 2026 (links), rechts Vergleich zum langjährigen Mitteldurchschnitt.

Die außergewöhnlich hohe Sonneneinstrahlung förderte zwar die Photosynthese und das Pflanzenwachstum, verstärkte in Kombination mit der Hitze jedoch den Wasserverbrauch der Kulturen und kündigte die zunehmende Trockenheitsproblematik im weiteren Saisonverlauf an.

Grünland: Gute Ausgangslage – Hitzewelle bremst das Wachstum

Für die Grünlandbetriebe in Ostbelgien verlief das Frühjahr 2026 zunächst ausgesprochen erfreulich. Die Kombination aus ausreichenden Niederschlägen, milden Temperaturen und später einer hohen Sonneneinstrahlung sorgte für einen kräftigen ersten Aufwuchs. Entsprechend konnten vielerorts gute Futtervorräte für den kommenden Winter angelegt werden. Erst mit den außergewöhnlich hohen Temperaturen Ende Juni änderte sich die Situation spürbar.

Nach Einschätzung der Fachleute des wallonischen Beratungsdienstes Fourrages Mieux verlief die erste Saisonhälfte für die Grünlandbewirtschaftung insgesamt positiv. Auch Referenzdaten aus Nordfrankreich zeigen, dass die Grasproduktion im Frühjahr rund 20 Prozent über dem langjährigen Mittel lag. Damit bestätigte sich erneut, dass ausreichend Niederschläge im Frühjahr eine entscheidende Grundlage für hohe Futtererträge bilden.

Kräftiger Frühjahrsaufwuchs

Vor allem im April und Anfang Mai entwickelten sich die Wiesen außergewöhnlich gut. Die Kombination aus Bodenfeuchtigkeit und zunehmend längeren Sonnenscheinphasen sorgte für hohe Zuwachsraten. Viele Betriebe konnten qualitativ hochwertiges Grundfutter ernten und damit ihre Wintervorräte frühzeitig absichern.

Auch auf den Weiden stand ausreichend Gras zur Verfügung. Während in trockenen Jahren häufig bereits im Frühsommer Futterknappheit droht, war die Ausgangslage 2026 deutlich günstiger. Die guten Erträge des Frühjahrs verschafften vielen Betrieben eine gewisse Reserve für den weiteren Saisonverlauf.

Hitze stoppt das Graswachstum

Mit der Hitzewelle in der zweiten Junihälfte änderten sich die Bedingungen jedoch deutlich. Temperaturen von weit über 30 °C führten dazu, dass das Graswachstum vielerorts stark zurückging oder zeitweise ganz zum Erliegen kam. Besonders betroffen waren Flächen mit flachgründigen Böden oder geringeren Wasserreserven.

Die Feldbeobachtungen zeigen, dass sich der Wachstumsrückgang vor allem auf den wärme- und trockenheitsanfälligeren Standorten bemerkbar machte. Dort reagierten die Pflanzen mit einer deutlichen Verlangsamung ihrer Entwicklung.

Für die Grünlandregion Ostbelgien ist dies eine wichtige Erkenntnis. Obwohl ausreichend Niederschläge gefallen waren, reichten die hohen Temperaturen aus, um durch die starke Verdunstung den Boden rasch auszutrocknen. Nicht allein die Regenmenge entscheidet heute über das Pflanzenwachstum – entscheidend ist zunehmend das Zusammenspiel von Niederschlag, Temperatur und Verdunstung.

Weidemanagement gewinnt an Bedeutung

Ein zentrales Ergebnis der Beobachtungen betrifft die Höhe des Restaufwuchses nach dem Beweiden. Betriebe, die ihre Flächen nicht zu kurz abgeweidet hatten und einen Restbestand von mehr als acht Zentimetern stehen ließen, verzeichneten auch während der Hitze eine deutlich bessere Nachwuchsleistung. Anders sah es auf intensiv abgeweideten Flächen aus. Wurde das Gras bis auf etwa fünf Zentimeter oder weniger abgefressen, verlief die Regeneration erheblich langsamer. Ursache ist die geringere Blattfläche, die der Pflanze für die Photosynthese zur Verfügung steht. Unter Hitze- und Trockenstress verschärft sich dieser Effekt zusätzlich.

Gerade für Betriebe mit Portions- oder Umtriebsweide bestätigt sich damit eine Empfehlung, die angesichts zunehmender Wetterextreme weiter an Bedeutung gewinnt: In Hitzeperioden sollte möglichst ausreichend Blattmasse stehen bleiben, um die Regenerationsfähigkeit der Grasnarbe zu erhalten.

Futterreserven geben Sicherheit

Trotz der verlangsamten Grasproduktion bewerten die Experten die Versorgungslage Ende Juni insgesamt als gut. Auf den beobachteten Betrieben standen noch ausreichend Futterreserven auf den Flächen zur Verfügung, sodass die Weidesaison voraussichtlich ohne größere Engpässe fortgesetzt werden konnte.

Allerdings weisen die Autoren des Bulletins darauf hin, dass eine länger anhaltende Trockenperiode diese Reserven rasch aufbrauchen könnte. Deshalb bleibt die Entwicklung der Bodenfeuchtigkeit im Juli und August ein entscheidender Faktor für den weiteren Saisonverlauf.

Hitzestress belastet Milchkühe

Während das Futterangebot Ende Juni vielerorts noch ausreichend war, machte sich die Hitze unmittelbar bei den Milchkühen bemerkbar. Zahlreiche Milchviehbetriebe meldeten sinkende Milchleistungen.

Interessant ist dabei die Ursache: Nach Einschätzung der Fachleute lag der Rückgang zunächst nicht an Futtermangel, sondern am Hitzestress der Tiere selbst. Bei hohen Temperaturen reduzieren Kühe ihre Futteraufnahme, verändern ihr Verhalten und setzen einen größeren Teil ihrer Energie zur Kühlung des Körpers ein. Dadurch sinkt die Milchleistung häufig bereits nach wenigen heißen Tagen deutlich. Viele Betriebe reagierten deshalb mit angepassten Haltungsmaßnahmen. Kühe wurden während der heißesten Tagesstunden häufiger im Stall gehalten, sofern dort ausreichend Belüftung vorhanden war. Gleichzeitig gewann eine jederzeit verfügbare Wasserversorgung noch stärker an Bedeutung.

Gerade in Ostbelgien mit seinem hohen Anteil an Milchviehbetrieben zeigen diese Entwicklungen, dass sich Hitzestress zunehmend zu einem wirtschaftlichen Faktor entwickelt. Neben der Futterversorgung rückt deshalb auch das Stallklima immer stärker in den Mittelpunkt des Herdenmanagements.

Die Trockenheit entwickelt sich schleichend

Obwohl Mai und Juni vielerorts ausreichend Niederschläge brachten, zeigt der meteorologische Trockenheitsindex SPEI bereits eine andere Entwicklung. Dieser Index berücksichtigt nicht nur den Niederschlag, sondern auch die Verdunstung und liefert damit ein realistischeres Bild der verfügbaren Wassermenge im Boden.

Nach einem trockenen Jahresbeginn entspannte sich die Situation zunächst wieder. Ende Juni zeichnete sich jedoch erneut eine zunehmende Austrocknung ab. Besonders betroffen waren bereits Teile der Ardennen, der Juraregion und weitere südliche Landesteile. Für die kommenden Wochen erwarteten die Fachleute eine weitere Ausbreitung trockener Bereiche.

Abbildung 4 Räumliche Verteilung des SPEI-3 Trockenindex vom 30. Juni 2025 (links) und vom 30. Juni 2026 (rechts)

Für Ostbelgien ist dieser Indikator besonders interessant. Die Region verfügt zwar häufig über höhere Niederschlagsmengen als viele andere Landesteile, gleichzeitig reagieren insbesondere flachgründige oder steinige Standorte empfindlich auf längere Hitzeperioden. Die Wasserreserven können dort trotz einzelner Gewitter rasch erschöpft sein.

Satelliten bestätigen kräftige Vegetationsentwicklung

Auch die Auswertung der Satellitendaten zeichnet insgesamt ein positives Bild. Der Vegetationsindex NDVI lag von Januar bis Ende Juni nahezu überall über dem langjährigen Durchschnitt. Dies deutet auf eine überdurchschnittliche Biomasseentwicklung hin und bestätigt die guten Wachstumsbedingungen des Frühjahrs.

Die Autoren weisen allerdings darauf hin, dass sich die Auswirkungen der extremen Hitze Ende Juni in den Satellitenbildern noch nicht vollständig widerspiegeln. Ob sich die Trockenheit stärker auf die Vegetation auswirkt, sollte erst im nächsten Bulletin beurteilt werden können.

Für die Grünlandwirtschaft fällt die Zwischenbilanz zur Saisonmitte insgesamt positiv aus. Der Frühjahrsaufwuchs war überdurchschnittlich, die Futtervorräte sind gut und vielerorts konnten hochwertige Silagen eingebracht werden.

Gleichzeitig zeigt das Frühjahr 2026 aber auch, wie rasch sich die Situation verändern kann. Wenige Wochen mit außergewöhnlicher Hitze reichten aus, um das Graswachstum deutlich zu bremsen und die Milchleistung vieler Herden zu reduzieren. Entscheidend für den weiteren Saisonverlauf wird deshalb sein, ob im Juli und August ausreichend Niederschläge fallen und sich die Bodenwasservorräte wieder auffüllen können.

Ackerkulturen zwischen Wachstumsschub und Wetterstress

Während das Grünland im Frühjahr insgesamt von den günstigen Wachstumsbedingungen profitieren konnte, zeigte sich auf den Ackerflächen ein deutlich differenzierteres Bild. Hohe Temperaturen beschleunigten zwar die Entwicklung vieler Kulturen, gleichzeitig hinterließen Gewitter, Starkregen, Hagel und später die Hitze regional deutliche Spuren. Wie stark die Auswirkungen ausfielen, hing oft von wenigen lokalen Gewitterzellen ab.

Wintergerste: Frühe Ernte mit soliden Ergebnissen

Die überdurchschnittlich warmen Temperaturen beschleunigten die Entwicklung der Wintergerste, sodass die Ernte bereits Ende Juni begann. Trotz Spätfrösten, feuchter Witterung während der Blüte, Hitze in der Kornfüllungsphase sowie regionalen Hagel- und Lagerschäden verlief die Ernte insgesamt zufriedenstellend. Die Erträge liegen unter dem Rekordniveau von 2025, übertreffen jedoch vielerorts noch das Vorjahresergebnis.

Winterweizen: Gute Qualität trotz Wetterextremen

Der Winterweizen war während der Vegetation mehrfach Witterungsstress ausgesetzt – durch kühle Temperaturen während der Eisheiligen, Hitze zur Blüte und eine weitere Hitzewelle Ende Juni. Regional verursachten Gewitter mit Starkregen, Sturm und Hagel erhebliche Schäden und Ertragseinbußen von bis zu 30 Prozent. Dank ausreichender Wasserreserven vor den Hitzeperioden wird jedoch erwartet, dass eine gute Kornqualität mögliche Mindererträge teilweise ausgleichen kann.

Zuckerrüben: Kräftiges Wachstum, hoher Krankheitsdruck

Die Zuckerrüben entwickelten sich insgesamt gut. Die warmen Temperaturen begünstigten jedoch den Zuflug der Grünen Pfirsichblattlaus als Überträger von Viruskrankheiten, während kühlere und feuchte Phasen deren Ausbreitung bremsten. Regional verursachte Hagel zwar Blattschäden, die Pflanzen konnten sich jedoch meist gut regenerieren. Ende Juni stieg zudem der Druck durch Blattkrankheiten wie Cercospora sowie erste Fälle von Virusvergilbung und Falschem Mehltau.

Mais: Gute Entwicklung, entscheidende Phase steht bevor

Der Mais profitierte bislang von den Witterungsbedingungen des Frühjahrs. Nach einer problemlosen Aussaat und guten Feldaufgängen sorgten Niederschläge im Mai sowie die Wärme Ende Juni für eine zügige Entwicklung der Bestände. Gleichzeitig nahm jedoch das Wasserdefizit zu. Entscheidend für das Ertragspotenzial werden die Witterungsbedingungen während der Blüte sowie ausreichende Niederschläge im Juli und August sein. Besonders in Ostbelgien ist dies für die Futterversorgung der Milchviehbetriebe von großer Bedeutung.

Heftige Gewitter Ende Juni verursachten regional Lager- und Sturmschäden in Maisbeständen. Während sich umgedrückte Pflanzen häufig erholen, können gebrochene Stängel zu erheblichen Ertragsverlusten führen.

Erstmals wurde zudem die Geomyza-Fliege im wallonischen Maisanbau nachgewiesen. Die bislang lokal begrenzten Schäden erfordern zwar noch keine besonderen Maßnahmen, sollten jedoch künftig aufmerksam beobachtet werden.

Wetterextreme prägen die Landwirtschaft zunehmend

Die erste Jahreshälfte 2026 zeigt deutlich, dass extreme Wetterereignisse den Vegetationsverlauf immer stärker beeinflussen. Überdurchschnittliche Temperaturen beschleunigten die Entwicklung vieler Kulturen, während Starkregen, Hagel, Hitzewellen und Trockenphasen regional für erhebliche Belastungen sorgten. In Ostbelgien fällt die Bilanz für das Grünland dennoch überwiegend positiv aus: Der gute erste Aufwuchs sicherte die Futterversorgung, doch die Hitzewelle Ende Juni bremste das Graswachstum und belastete die Milchviehhaltung.

Zur Jahresmitte bleibt das Ertragspotenzial vieler Kulturen insgesamt vielversprechend. Die weitere Entwicklung hängt jedoch maßgeblich von der Witterung in den kommenden Wochen ab, insbesondere bei Mais, Kartoffeln und Grünland. Das agrometeorologische Bulletin macht deutlich, dass Anpassungsmaßnahmen wie ein gezieltes Wassermanagement, der Erhalt der Bodenfruchtbarkeit und klimaangepasste Bewirtschaftungsstrategien für die Betriebe zunehmend an Bedeutung gewinnen, um die Folgen des Klimawandels abzufedern.

Pascale Schröder