Auf der Suche nach Mitarbeitern?

Das (Arbeits-)Verhältnis muss stimmen

Verfasst am 20.05.2026
Abgelegt unter Arbeit / Personal
Veröffentlicht in Ausgabe 2026 - 10

​Die Suche nach geeignetem Personal bleibt für viele land- und gartenbauliche Betriebe eine heikle Aufgabe. Die Arbeit ist körperlich anstrengend, oft saisonabhängig und erfordert eine bestimmte Einstellung. Gleichzeitig ist der Arbeitsmarkt angespannt und die Arbeitnehmer wechseln schneller den Job. Eine Stellenanzeige zu schalten reicht also nicht mehr aus. Wer Mitarbeiter gewinnen will, muss gezielt vorgehen. Der folgende Schritt-für-Schritt-Plan hilft dabei, strukturiert und realistisch zu rekrutieren.

Schritt 1. Definieren Sie, wen Sie wirklich brauchen

​Eine erfolgreiche Suche beginnt mit einer klaren Analyse der Stelle. Welche Aufgaben muss der Mitarbeiter erfüllen? Handelt es sich um Saisonarbeit oder um eine Festanstellung? Wie körperlich anstrengend ist die Arbeit und wie viel Flexibilität wird in Spitzenzeiten erwartet?

Auch das Profil ist wichtig. Benötigen Sie jemanden mit Erfahrung, der sofort selbstständig arbeiten kann, oder reicht ein motivierter Berufseinsteiger, den Sie intern einarbeiten können? Denken Sie auch über praktische Rahmenbedingungen wie Führerschein, Sprachkenntnisse und den Umgang mit Tieren oder Maschinen nach. Je konkreter Sie dies für sich selbst festlegen, desto geringer ist die Wahrscheinlichkeit von Fehlbesetzungen im Nachhinein.

Schritt 2. Verfassen Sie eine klare und ehrliche Stellenanzeige

​Die Stellenbezeichnung muss erkennbar sein und zu Begriffen passen, nach denen Bewerber suchen, wie z. B. Melker, Anbaumitarbeiter oder Traktorfahrer. Vermeiden Sie kreative Titel, diese sind schwerer zu finden und sorgen oft für Verwirrung.

Im Text selbst dreht sich alles um Klarheit und Transparenz. Beschreiben Sie die wichtigsten Aufgaben in einigen konkreten Stichpunkten und seien Sie ehrlich in Bezug auf alle Aspekte der Stelle, auch die weniger attraktiven. Geben Sie außerdem an, was Sie von Bewerbern erwarten und was Sie bieten: Arbeitszeiten, Vertragsart, Lohn gemäß Branchentarif, eventuelle Unterkunft, Arbeitskleidung oder Weiterbildungsmöglichkeiten. Je realistischer das Bild, desto größer die Chance, dass Interessenten tatsächlich zum Unternehmen passen.

Schritt 3. Machen Sie die Bewerbung einfach

​In kleineren landwirtschaftlichen Betrieben funktioniert ein unkomplizierter Ansatz oft am besten. Geben Sie einen klaren Ansprechpartner an und erklären Sie, wie sich Bewerber bewerben können: telefonisch, per E-Mail oder über ein Formular. Viele potenzielle Mitarbeiter springen ab, wenn das Verfahren zu umständlich ist.

Geben Sie auch an, wann Sie erreichbar sind und wie schnell Bewerber mit einer Antwort rechnen können. Ein kurzes Kennenlernen auf dem Betrieb kann oft schneller Klarheit schaffen als ein formelles Bewerbungsverfahren.

Schritt 4. Sorgen Sie dafür, dass Ihre Stellenanzeige gefunden wird

​Selbst eine überzeugende Stellenanzeige hat wenig Wirkung, wenn sie niemanden erreicht. Online-Jobplattformen bleiben daher eine wichtige Grundlage. Das Arbeitsamt Ostbelgien ist hier nach wie vor ein zentraler Kanal für Arbeitssuchende, aber auch allgemeine Seiten wie Jobat oder LinkedIn können zusätzliche Reichweite bieten, insbesondere wenn Sie Kandidaten außerhalb der Branche ansprechen möchten.

​Verwenden Sie bekannte und häufig gesuchte Stichwörter sowohl im Titel als auch im Text der Stellenanzeige, damit Kandidaten sie leicht finden können. Denken Sie an Suchbegriffe, die Menschen selbst eingeben, wie „Job Landwirtschaft“, „Traktorfahrer“, oder ähnliche Tätigkeiten in der Branche.

Schritt 5. Nutzen Sie auch soziale Medien und Bilder

​Viele potenzielle Mitarbeiter suchen nicht aktiv nach Arbeit, sind aber offen für einen anderen Job. Über soziale Medien können Sie auch diese Gruppe erreichen. Fotos oder kurze Videos vom Arbeitsalltag vermitteln ein realistisches Bild des Unternehmens und senken die Hemmschwelle, sich zu bewerben.

Für junge Menschen, Studenten und Saisonarbeiter können visuelle Kanäle besonders effektiv sein. Ein kurzes Video von der Arbeit während der Ernte oder einem Team-Moment sagt oft mehr als ein langer Text.

Schritt 6. Die eigenen Netzwerke nutzen

​Persönlicher Kontakt ist in der Landwirtschaft oft entscheidend. Messen, Fachtagungen und lokale Veranstaltungen bieten Gelegenheiten, direkt mit Interessenten zu sprechen. Auch Landwirtschaftsschulen, Genossenschaften, Lieferanten und befreundete Landwirte können helfen, Stellenangebote zu verbreiten oder geeignete Kandidaten zu vermitteln.

Darüber hinaus bleibt auch Mundpropaganda wichtig. Mitarbeiter, Familienangehörige oder Nachbarn kennen oft Menschen, die auf der Suche nach Arbeit sind oder einen Karrierewechsel in Betracht ziehen. Ein guter Ruf als Arbeitgeber ist dabei ein starker Trumpf.

​Schritt 7. Kombinieren Sie verschiedene Kanäle

​Es gibt keine schnelle oder magische Lösung, um Personal zu finden. Unternehmen, denen dies gelingt, setzen bewusst auf eine Kombination verschiedener Strategien: eine klare und attraktive Stellenanzeige, starke Online-Präsenz und aktives Networking. Diese Mischung sorgt dafür, dass Sie sowohl aktive Arbeitssuchende als auch Menschen erreichen, die noch zögern, den Beruf zu wechseln.

Wer es schafft, nicht nur die Stelle, sondern auch das Arbeitsklima und die Realität des Unternehmens zu zeigen, erhöht die Chance auf eine dauerhafte Zusammenarbeit. In einem angespannten Arbeitsmarkt ist nicht nur der Bewerber auf der Suche nach Arbeit, auch Arbeitgeber müssen sich heute sichtbar und attraktiv positionieren.

Yentl Mettepenningen, Personalvermittlerin bei Acerta Career Center

Welche Rechte und Pflichten haben Sie?

​In den vergangenen Monaten hat die Regierung eine Reihe wichtiger Änderungen angekündigt, die auch Auswirkungen auf Sie als Arbeitgeber haben. Nachfolgend haben wir die wichtigsten Änderungen übersichtlich für Sie zusammengestellt, an die Sie denken müssen, wenn Sie Personal einstellen oder dies vorhaben.

Freiwillige Überstunden

Freiwillige Überstunden sind Stunden, die außerhalb des normalen Arbeitsplans eines Arbeitnehmers geleistet werden.

Die Föderalregierung will mit ihrem Gesetzentwurf vom 10. Februar 2026 genau diese bestehenden Systeme ab dem 1. April vereinfachen und verbessern.

​In der neuen Regelung sprechen wir ausschließlich noch von freiwilligen Überstunden. Die früheren sogenannten “Relance-”Stunden (die steuerlich günstigen Überstunden, die zur Unterstützung der Wirtschaft nach der Pandemie eingeführt worden sind) entfallen, da sie vollständig im System der freiwilligen Überstunden aufgehen. Seit 2026 können Vollzeitbeschäftigte jährlich bis zu 240 freiwillige Überstunden leisten. Das ist sowohl für den Arbeitgeber als auch für den Arbeitnehmer von Vorteil: Es ist kein Überstundenzuschlag zu zahlen, es muss keine Ausgleichsruhezeit gewährt werden (diese Stunden zählen nicht einmal für die interne Obergrenze) und darüber hinaus sind sie sowohl von Sozialversicherungsbeiträgen als auch von der Lohnsteuer befreit. In ganz bestimmten Situationen können auch Teilzeitbeschäftigte davon profitieren. Es muss weiterhin eine vorherige, individuelle, schriftliche Vereinbarung mit dem Arbeitnehmer geschlossen werden, diese ist jedoch 1 Jahr lang gültig und verlängert sich stillschweigend.

Studentenarbeit

​Die Anzahl der Stunden, die ein Student mit einem Studentenvertrag arbeiten darf, wurde seit 2025 auf 650 Stunden pro Kalenderjahr erhöht – und das auf unbestimmte Zeit. Auch im Jahr 2026 kann ein Student also wieder bis zu 650 Stunden  beschäftigt werden. Nicht nur die Anzahl der Arbeitsstunden ist gestiegen, auch die Einkommensgrenze, bis zu der ein Student steuerlich als unterhaltsberechtigt gilt, wurde angehoben. Im Jahr 2026 darf ein Student bis zu 12.300 Euro netto dazuverdienen, was einem Bruttolohn von 23.058,53 Euro entspricht. Studenten dürfen darüber hinaus weiterhin als Saisonarbeiter eingesetzt werden. Dabei ist jedoch zu beachten, dass sie nicht mehr als 80 Stunden pro Monat als Saisonarbeiter arbeiten dürfen. Überschreiten sie diese Grenze, riskiert der Elternteil eines volljährigen Studenten für diesen Monat den Verlust des Kindergeldes.

Wiedereinführung der Probezeit

Die Föderalregierung hat am 23. Februar einen Gesetzentwurf vorgelegt, wonach die Kündigungsfrist in den ersten Monaten eines unbefristeten Arbeitsvertrags nur eine Woche beträgt. Dies kommt der Wiedereinführung einer Probezeit gleich. Ziel der Maßnahme ist es, die Einstellungshürde für Arbeitgeber zu senken. Auch für den Arbeitnehmer gilt, dass er während dieser ersten sechs Monate nur eine Woche Kündigungsfrist einhalten muss. Nach Ablauf dieses Zeitraums gelten die üblichen Kündigungsregeln. Es muss jedoch noch die Veröffentlichung des Gesetzes abgewartet werden, bevor die Probezeit wieder in Kraft tritt.

Es ist ratsam, sich an Ihr Sozialsekretariat zu wenden und gemeinsam mit diesem zu prüfen, wie Sie sich an die neue Gesetzgebung anpassen können.

Soetkin Crabbe, Beraterin Boerenbond-Studiendienst

„Die Arbeit mit Mitarbeitern schafft Freiheit“

​Während es für viele Gartenbaubetriebe schon lange üblich ist, mit Personal zu arbeiten, ist dies in der Milchviehhaltung noch weit weniger verbreitet. Nicht jeder Milchviehhalter kann oder will diesen Schritt gehen. Zudem erfordert der Einsatz von Personal immer die notwendigen Anpassungen im Betrieb und beim Milchviehhalter selbst.

​Die Zahl der Milchviehhalter sinkt seit Jahren, doch die Anzahl der Kühe pro Betrieb steigt weiter an, und sie geben zudem mehr Milch. Das ist seit Jahrzehnten der Trend in der belgischen Milchviehhaltung. Logischerweise steigt damit auch der Arbeitsbedarf im Betrieb. Während die Zahl der helfenden Hände lange Zeit zurückging, werden heute wieder mehr benötigt, um die Arbeit zu bewältigen. Während des provinzialen Studientags für Antwerpener Milchviehhalter wurden daher die Vor- und Nachteile der Arbeit mit Personal als Antwort auf diesen wachsenden Arbeitskräftebedarf eingehender beleuchtet.

Finanzielle und praktische Folgen

„Wenn der Arbeitsbedarf steigt, hat man drei Möglichkeiten: auslagern, automatisieren oder Personal einstellen“, skizzierte Christel Covens, Agrarberaterin bei SBB. Die nächsten Schritte sind weitaus weniger offensichtlich. „Aber man kann nicht endlos automatisieren. Viele Betriebe verfügen bereits über einen hohen Automatisierungsgrad, unter anderem mit Melkrobotern, Mistschiebern und automatischen Futterschiebern. Die nächsten Schritte lassen sich weniger leicht umsetzen.“ Wenn die Arbeit zu viel wird, ist es normal, dass auch die Option der Einstellung von Personal in Betracht gezogen wird. Die Entscheidung für Personal hat finanzielle Konsequenzen, da das Geld am Monatsende immer da sein muss, selbst bei einem niedrigeren Milchpreis. Deshalb wird auch die Bank solche Betriebe anders betrachten. Darüber hinaus hat dies auch praktische Konsequenzen. „Wenn man selbst nicht effizient arbeitet, ist das für einen selbst ärgerlich. Aber wenn man Personal auf die gleiche Weise arbeiten lässt, kostet das Geld“, warnte Covens. Dabei sprach sie unter anderem davon, die Laufwege kurz zu halten. „Wer jeden Tag 200 Meter zu viel läuft, legt auf Jahresbasis mehr als 60 überflüssige Kilometer zurück. Wenn man dafür jemanden bezahlen muss, summiert sich das.“ Genauso geht es aber auch um die ordentliche Aufbewahrung von Material, damit man nicht endlos danach suchen muss, oder um die Ausarbeitung klarer Protokolle.

Verantwortung übertragen

Bart Jochems aus Vlimmeren und Jonas Peeters aus Meerhout sind zwei Milchviehhalter, die heute mit Personal arbeiten. „Ohne Personal könnte ich meine derzeit hohen Milchleistungen nicht erreichen“, erzählt Jonas, der zwei festangestellte Mitarbeiter hat. „Da sie die Feldarbeit und das Füttern übernehmen, kann ich mich um die Kühe kümmern. Die Arbeit auf unserem Betrieb läuft weiter, auch wenn ich nicht in der Nähe bin.“

Kollege Bart beschäftigt seit vierzehn Jahren denselben festangestellten Mitarbeiter und steht auch Praktikanten nicht ablehnend gegenüber. „Gute Praktikanten bekommen von mir viel Verantwortung. Aber ich versuche nicht, Praktikanten zu formen; man kann sie nicht ändern. Wenn Praktikanten später einmal wiederkommen, weiß man, dass man es gut gemacht hat.“

Fehler bei der Arbeit

Einen Mitarbeiter darf man nicht so streng beurteilen wie sich selbst. „Wenn man jemanden neu einstellt, weiß man, dass er in den ersten Monaten Geld kosten wird. Es werden Fehler begangen oder etwas geht kaputt. Darüber muss man jedoch hinwegsehen können und hoffen, dass sie sich weiterentwickeln, damit sie einen Mehrwert für das Unternehmen darstellen“, erzählt Jonas.

Bart bestätigt: „Wenn man einen Mitarbeiter als eine Investition betrachtet, die vor allem nicht viel kosten und viel einbringen darf, sollte man es vielleicht besser lassen. Mitarbeiter sind Menschen, die man auch als Menschen behandeln muss. Versetzen Sie sich in ihre Lage. Wenn man zu allem ‚nein‘ sagt und nichts kosten oder zusätzlichen Aufwand bedeuten darf, dann kommt es früher oder später zum Stillstand. Auch wenn das manchmal bedeutet, dass man beispielsweise die eigene Abwesenheit auf den Urlaub des Partners des Mitarbeiters abstimmen muss.“

Loslassen

Manchmal muss man es wagen, loszulassen. Das fällt dem einen leichter als dem anderen. Jonas: „Die Feldarbeit überlasse ich meinen Mitarbeitern. Vereinbarungen mit Lohnunternehmern, welche Maissorte oder welche Art von Stickstoff wir wählen … da haben sie auf jeden Fall ein gewichtiges Wort mitzureden. Alles, was die Kühe betrifft, behalte ich jedoch lieber selbst im Griff. Das mache ich gerne, ich finde es sehr wichtig, den Überblick zu behalten. Wenn ich dafür jemanden einstellen müsste, würde es mir schwerer fallen, loszulassen“, gibt Jonas zu. „Auch wenn die Versuchung groß bleibt, an Tagen, an denen ich nicht da bin, ständig das Handy auf Benachrichtigungen zu überprüfen.“

Endverantwortung

​Loslassen bedeutet auch zu akzeptieren, dass Aufgaben anders ausgeführt werden, als man es selbst tun würde. „Ich möchte nicht jemand sein, der ständig seinen Mitarbeitern hinterherläuft, um zu kontrollieren, ob alles richtig gemacht wird. Ich übertrage Verantwortung, und dafür bekommt man auch viel zurück. Das ändert jedoch nichts daran, dass man weiterhin die Endverantwortung trägt und auch die Entscheidungen so trifft, wie man es will. Selbst wenn das dann widerwillig geschieht“, erklärt Bart.

Allerdings ist jemand, der sich beschwert, nicht per se ein schlechtes Zeichen. „Das deutet auf Engagement hin. Die Alternative ist Resignation, und das ist manchmal schlimmer“, weiß Jonas.

Die Arbeit mit Mitarbeitern ist komplexer und macht viel Arbeit, aber Bart möchte auf keinen Fall in die Zeit zurück, in der er noch keine hatte. „Ich könnte nicht ohne Mitarbeiter auskommen. Mein Leben wäre ganz anders. Ohne Mitarbeiter würde ich wohl nicht mehr in der Landwirtschaft arbeiten wollen, glaube ich. Mitarbeiter sorgen dafür, dass man nicht rund um die Uhr an den Betrieb gebunden ist. Das gibt Zeit für die Familie. Aber mir ist klar: Wenn man nicht richtig damit umgehen kann oder will, wird man dadurch nicht glücklicher“, schließt Bart.

Ivan De Clercq