Die Suche nach geeignetem Personal bleibt für viele land- und gartenbauliche Betriebe eine heikle Aufgabe. Die Arbeit ist körperlich anstrengend, oft saisonabhängig und erfordert eine bestimmte Einstellung. Gleichzeitig ist der Arbeitsmarkt angespannt und die Arbeitnehmer wechseln schneller den Job. Eine Stellenanzeige zu schalten reicht also nicht mehr aus. Wer Mitarbeiter gewinnen will, muss gezielt vorgehen. Der folgende Schritt-für-Schritt-Plan hilft dabei, strukturiert und realistisch zu rekrutieren.
Schritt 1. Definieren Sie, wen Sie wirklich brauchen
Eine erfolgreiche Suche beginnt mit einer klaren Analyse der Stelle. Welche Aufgaben muss der Mitarbeiter erfüllen? Handelt es sich um Saisonarbeit oder um eine Festanstellung? Wie körperlich anstrengend ist die Arbeit und wie viel Flexibilität wird in Spitzenzeiten erwartet?
Auch das Profil ist wichtig. Benötigen Sie jemanden mit Erfahrung, der sofort selbstständig arbeiten kann, oder reicht ein motivierter Berufseinsteiger, den Sie intern einarbeiten können? Denken Sie auch über praktische Rahmenbedingungen wie Führerschein, Sprachkenntnisse und den Umgang mit Tieren oder Maschinen nach. Je konkreter Sie dies für sich selbst festlegen, desto geringer ist die Wahrscheinlichkeit von Fehlbesetzungen im Nachhinein.
Schritt 2. Verfassen Sie eine klare und ehrliche Stellenanzeige
Die Stellenbezeichnung muss erkennbar sein und zu Begriffen passen, nach denen Bewerber suchen, wie z. B. Melker, Anbaumitarbeiter oder Traktorfahrer. Vermeiden Sie kreative Titel, diese sind schwerer zu finden und sorgen oft für Verwirrung.
Im Text selbst dreht sich alles um Klarheit und Transparenz. Beschreiben Sie die wichtigsten Aufgaben in einigen konkreten Stichpunkten und seien Sie ehrlich in Bezug auf alle Aspekte der Stelle, auch die weniger attraktiven. Geben Sie außerdem an, was Sie von Bewerbern erwarten und was Sie bieten: Arbeitszeiten, Vertragsart, Lohn gemäß Branchentarif, eventuelle Unterkunft, Arbeitskleidung oder Weiterbildungsmöglichkeiten. Je realistischer das Bild, desto größer die Chance, dass Interessenten tatsächlich zum Unternehmen passen.
Schritt 3. Machen Sie die Bewerbung einfach
In kleineren landwirtschaftlichen Betrieben funktioniert ein unkomplizierter Ansatz oft am besten. Geben Sie einen klaren Ansprechpartner an und erklären Sie, wie sich Bewerber bewerben können: telefonisch, per E-Mail oder über ein Formular. Viele potenzielle Mitarbeiter springen ab, wenn das Verfahren zu umständlich ist.
Geben Sie auch an, wann Sie erreichbar sind und wie schnell Bewerber mit einer Antwort rechnen können. Ein kurzes Kennenlernen auf dem Betrieb kann oft schneller Klarheit schaffen als ein formelles Bewerbungsverfahren.
Schritt 4. Sorgen Sie dafür, dass Ihre Stellenanzeige gefunden wird
Selbst eine überzeugende Stellenanzeige hat wenig Wirkung, wenn sie niemanden erreicht. Online-Jobplattformen bleiben daher eine wichtige Grundlage. Das Arbeitsamt Ostbelgien ist hier nach wie vor ein zentraler Kanal für Arbeitssuchende, aber auch allgemeine Seiten wie Jobat oder LinkedIn können zusätzliche Reichweite bieten, insbesondere wenn Sie Kandidaten außerhalb der Branche ansprechen möchten.
Verwenden Sie bekannte und häufig gesuchte Stichwörter sowohl im Titel als auch im Text der Stellenanzeige, damit Kandidaten sie leicht finden können. Denken Sie an Suchbegriffe, die Menschen selbst eingeben, wie „Job Landwirtschaft“, „Traktorfahrer“, oder ähnliche Tätigkeiten in der Branche.
Schritt 5. Nutzen Sie auch soziale Medien und Bilder
Viele potenzielle Mitarbeiter suchen nicht aktiv nach Arbeit, sind aber offen für einen anderen Job. Über soziale Medien können Sie auch diese Gruppe erreichen. Fotos oder kurze Videos vom Arbeitsalltag vermitteln ein realistisches Bild des Unternehmens und senken die Hemmschwelle, sich zu bewerben.
Für junge Menschen, Studenten und Saisonarbeiter können visuelle Kanäle besonders effektiv sein. Ein kurzes Video von der Arbeit während der Ernte oder einem Team-Moment sagt oft mehr als ein langer Text.
Schritt 6. Die eigenen Netzwerke nutzen
Persönlicher Kontakt ist in der Landwirtschaft oft entscheidend. Messen, Fachtagungen und lokale Veranstaltungen bieten Gelegenheiten, direkt mit Interessenten zu sprechen. Auch Landwirtschaftsschulen, Genossenschaften, Lieferanten und befreundete Landwirte können helfen, Stellenangebote zu verbreiten oder geeignete Kandidaten zu vermitteln.
Darüber hinaus bleibt auch Mundpropaganda wichtig. Mitarbeiter, Familienangehörige oder Nachbarn kennen oft Menschen, die auf der Suche nach Arbeit sind oder einen Karrierewechsel in Betracht ziehen. Ein guter Ruf als Arbeitgeber ist dabei ein starker Trumpf.
Schritt 7. Kombinieren Sie verschiedene Kanäle
Es gibt keine schnelle oder magische Lösung, um Personal zu finden. Unternehmen, denen dies gelingt, setzen bewusst auf eine Kombination verschiedener Strategien: eine klare und attraktive Stellenanzeige, starke Online-Präsenz und aktives Networking. Diese Mischung sorgt dafür, dass Sie sowohl aktive Arbeitssuchende als auch Menschen erreichen, die noch zögern, den Beruf zu wechseln.
Wer es schafft, nicht nur die Stelle, sondern auch das Arbeitsklima und die Realität des Unternehmens zu zeigen, erhöht die Chance auf eine dauerhafte Zusammenarbeit. In einem angespannten Arbeitsmarkt ist nicht nur der Bewerber auf der Suche nach Arbeit, auch Arbeitgeber müssen sich heute sichtbar und attraktiv positionieren.
Yentl Mettepenningen, Personalvermittlerin bei Acerta Career Center