Güllegase – Die lautlosen Killer

Verfasst am 21.06.2017

In der Viehhaltung sind Güllegase auch als der „lautlose Killer“ bekannt. Freigesetzt werden diese Gase hauptsächlich beim Rühren und beim Pumpen der Gülle. Aber auch beim Öffnen und ganz besonders beim Einstieg in das Güllelager lauert eine tödliche Gefahr.

Die beiden gefährlichsten Gase, die sich in der Gülle bilden sind Schwefelwasserstoff (H2S) und Cyanwasserstoff, auch Blausäure genannt (HCN). Letztere kann sowohl über die Atemwege als über die Haut in den Körper eindringen und führt bereits in extrem geringen Konzentrationen zum Tod. Die größte Gefahr für Mensch und Tier ist aber Schwefelwasserstoff, der in der Gülle in größeren Mengen gebildet wird als Blausäure. In geringer Konzentration verbreitet er den Geruch von faulen Eiern. In hoher Konzentration ist es dagegen für unseren Geruchssinn nicht mehr wahrnehmbar, weil Schwefelwasserstoff den Riechnerv lähmt. Schon ein Atemzug kann tödlich sein! Beiden Gase ist zueigen, dass sie schwerer als Luft sind; bei fehlender Luftbewegung sammeln sie sich in Bodennähe an. Weitere Gase, die in der Gülle produziert werden, sind Ammoniak, Methan und Kohlendioxid.

Die Gefährlichkeit der Güllegase ist bekannt. Aber was, wenn Sie – aus welchem Grund auch immer – in Ihr Güllelager (oder eine andere Gärkammer) einsteigen müssen? In Zusammenarbeit mit Preventagri und der Firma Dräger hat der Bauernbund verschiedene Sicherheitspakete entwickelt, die je nach Anwendungsbereich hinreichende Garantien für die Sicherheit bei Risikoaktivitäten (wie z.B. den Einstieg in ein Güllelager) bieten. Jedes Sicherheitspaket ist nach demselben Prinzip zusammengestellt und muss gemäß der Gebrauchsanweisung eingesetzt werden.

Der Gasdetektor misst die Konzentration von Schwefelwasserstoff, Methan und Sauerstoff. Mit der Hilfe eines Pumpensystems kann die Konzentration dieser Gase in der Güllegrube (oder in jedem anderen geschlossenen Raum) gemessen werden, ohne diesen Raum betreten zu müssen. Bei hohen Schadgaskonzentrationen schlägt der Detektor Alarm und rät so vom Betreten des Raumes ab. Tragen Sie das Messgerät immer eingeschaltet bei sich. Stellen Sie sicher, dass eine zweite Person die Situation aus sicherer Entfernung verfolgt. Legen Sie unbedingt eine ausreichend starke Rettungsleine an, damit Sie im Notfall evakuiert werden können, ohne dass weitere Personen in Gefahr gebracht werden. Legen Sie vor dem Einstieg unbedingt ein Atemschutzgerät (Gasmaske) an.

Die Sicherheitsausrüstung kann bezogen werden bei der Firma Dräger (Steven.VanHolsbeeck@draeger.com oder 0476/45.50.09). Bauernbund-Mitglieder kommen in den Genuss einer Ermäßigung von 10%.

Die Sicherheitsausrüstung kann bezogen werden bei der Firma Dräger (Steven.VanHolsbeeck@draeger.com oder 0476/45.50.09). Bauernbund-Mitglieder kommen in den Genuss einer Ermäßigung von 10%.

  • Die gefährlichen Güllegase sind schwerer als Luft. Das Öffnen einer Luke oder des Einstiegslochs reicht keinesfalls zum Entweichen der Güllegase aus, auch nicht wenn das Lager mehrere Tage offen bleibt. Belüften Sie das Güllelager deshalb immer künstlich und zwar nicht nur vor dem Einstieg, sondern auch während der gesamten Dauer des Aufenthalts im Güllelager!
  • Messen Sie vorab die Gaswerte, aber verlassen Sie sich nie blindlings auf niedrige Werte! Tragen Sie deshalb Ihren Gasdetektor im Güllelager immer eingeschaltet bei sich!
  • Legen Sie unbedingt einen Sicherheitsgürtel mit korrekt befestigter Sicherheitsleine an, damit man Sie notfalls aus dem Güllelager herausziehen kann.
  • Stellen Sie sicher, dass immer mindestens eine und besser zwei kräftige Personen in sicherer Entfernung anwesend sind, um notfalls eingreifen zu können. Vorab muss klar abgesprochen werden, wie im Notfall  vorzugehen ist. So dürfen Sie niemals ohne Schutzausrüstung in ein Güllelager einsteigen, um  eine Person aus dem Lager zu evakuieren! Denn bei mehr als der Hälfte der Todesfälle im Zusammenhang mit Güllegasen ist der Retter selbst das Opfer!

  • Spüren Sie mithilfe einer Rauchprobe die Stallbereiche mit schlechter Luftzirkulation auf und stallen Sie die dort anwesenden Tiere in einen anderen, gut durchlüfteten Bereich um!
  • Informieren Sie alle Personen, die sich auf dem Betrieb aufhalten, über das bevorstehende Mixen der Gülle und sorgen Sie dafür, dass sich beim Mixen der Gülle niemand in unmittelbare Nähe des Arbeitsbereichs aufhält,
  • Stellen Sie sich beim Öffnen des Güllelagers mit dem Rücken zum Wind!
  • Wenn sich eine dichte, undurchlässige Schwimmschicht gebildet hat, kommen beim nächstfolgenden Mixen innerhalb kurzer Zeit große Mengen an lebensgefährlichen Güllegasen frei. Deshalb: Häufig Umrühren, um der Krustenbildung und der Anreicherung von Güllegasen zuvorzukommen. Und: Mixen Sie bevorzugt bei stärkerem Wind und keinesfalls bei schwülem Wetter oder kurz vor einen Gewitter.