In den kommenden Wochen steht die Silageernte an. Der Zeitpunkt fällt zusammen mit der Brut- und Setzzeit vieler Wildtiere, die in den Mähwiesen ihren Nachwuchs sicher wähnen.
Die Rehkitze und bodenbrütende Vögel finden im hohen Gras einen natürlichen Schutz vor Raubtieren. Bei landwirtschaftlichen Arbeiten wird ihr Instinkt, im Angesicht der Gefahr regungslos zu verharren, jedoch zu ihrer größten Schwäche. „Ducken und Tarnen“ schützt zwar vor dem Fuchs, nicht aber vor dem Kreiselmäher.
Die wohl wirkungsvollste Methode zur Rettung von Kitzen und anderen Wildtieren ist das Absuchen der Fläche unmittelbar vor der Mahd mithilfe von Drohnen. Seit mehreren Jahren bietet der Jägerverein Büllingen interessierten Landwirten diese Dienstleistung kostenlos an. Auch die Vereinigung „Sauvons Bambi – Rettet Bambi“ hat sich die Rettung von Jungtieren auf die Fahne geschrieben.
Rehe setzen ihren Nachwuchs in dichte und hohe Vegetation in Wald oder Wiesen. In den ersten Lebenstagen besucht die Mutter ihr Kitz ausschließlich zum Säugen, die restliche Zeit verweilen die Kitze nahezu reglos in ihrem Versteck. Bei der Suche fliegt ein Pilot das Gebiet mit einer mit einer Wärmebildkamera ausgerüsteten Drohne auf der Suche nach diesen Jungtieren ab. Helfer stehen bereit, um die Kitze entweder herauszutragen oder während der Mäharbeit unter einem Korb festzusetzen.
Das Absuchen mit der Drohne rettet nicht nur den Jungkitzen das Leben, sondern verhindert auch, dass die Silage durch Tierkadaver verunreinigt wird. Diese bilden nämlich einen idealen Nährboden u.a. für Clostridien, einer Bakterien-Familie, zu der auch der berüchtigte Botulismus-Keim gehört, dessen Toxin bereits in winzigen Mengen tödlich wirkt.
Landwirte aus den fünf Eifelgemeinden, die den Dienst des Jägervereins Büllingen in Anspruch nehmen möchten, können sich per E-Mail an kitz@jaegerverein.be oder direkt bei Martin Meyer (Herresbach) unter 0474/77.68.45 melden. Die Leistung ist kostenlos; ein finanzieller Beitrag zu den (Fahrt-) Unkosten wird aber gerne gesehen.
Insofern die zeitliche Verfügbarkeit und die technischen Kapazitäten es erlauben, können auch Anfragen aus dem Norden der DG berücksichtigt werden. Sollte dies jedoch nicht möglich sein, können Landwirte aus den Gemeinden des Eupener Landes auf die Tierschutzorganisation „Sauvons Bambi“ zurückgreifen. Diese verfügt mit Karl Gils über eine deutschsprachige Kontaktperson, die Anfragen unter Tel. 0499/35.86.30 entgegennimmt und diese an lokale Drohnenpiloten weiterleitet. Auf der Website https://sauvonsbambi.be gibt es ein Kontaktformular, mit dem Sie eine Anfrage stellen können. Hier finden Sie auch zahlreiche Informationen zu diesem Thema
Die Anfragen sollten gestellt werden, sobald der genaue Mähtermin bekannt ist, spätestens aber am Tag vor der Mahd. Geflogen wird bereits in den frühen Morgenstunden ab fünf Uhr, wenn der warme Tierkörper auf dem Wärmebild stark gegen die noch kalte Umgebung heraussticht.
Wir weisen auch darauf hin, dass die Setzzeit von Rehen sich bis Ende Juni dahinzieht. Das Risiko, dass jungen Rehkitze auf der Fläche versteckt sind, gilt deshalb auch noch für den 2. und eventuell auch den 3. Schnitt.
Pascale Schröder