Milchproduktion ist hocheffizient

Verfasst am 1.08.2016

Wie ist es um die Effizienz der tierischen Veredlung gestellt? Ist die Produktion von Milch, Fleisch und Eier wirklich so verschwenderisch, wie es von Gegnern gerne dargestellt wird? Ist der Mensch besser bedient, wenn er die als Viehfutter eingesetzten Pflanzen direkt konsumiert? Oder ist es nicht doch vielleicht besser, den Umweg über den Verdauungsapparat von Nutztieren zu gehen?

Das flämische Informationszentrum für Landwirtschaft und Gartenbau (VILT) berichtet von einer Doktorarbeit an der Universität Löwen (KU Leuven). Darin vergleicht Ruben Boonen den Wert von Energie und Eiweiß in Form von Milch und Fleisch für den Menschen mit dem von direkt konsumiertem Viehfutter. Die Milcherzeugung schneidet in diesem Vergleich anders als die Schweinehaltung hervorragend ab. Der Grund: Wiederkäuer spielen eine essenzielle Rolle bei der Umsetzung von Pflanzen, die für den Menschen nicht verdaulich sind, in nutzbare und hochwertige Energie und Eiweiß. Anders beim Schwein, dessen Verdauung der des Menschen sehr ähnlich ist und das deshalb als direkter Nahrungsmittelkonkurrent des Menschen angesehen werden muss.

Die Energieeffizienz der Milchproduktion wird in der Studie auf 500% veranschlagt. Die Rindermast schneidet mit 14% Energieeffizienz trotz Einsatz von nicht direkt zu menschlichen Ernährungszwecken nutzbaren Nebenprodukten wie Rübenschnitzel und Biertreber bedeutend schlechter ab. Dies gilt auch für die Legehennenhaltung (29%) und ganz besonders die Schweinefleischproduktion (11%), beides Haltungssysteme, in denen die Futterration überwiegend auch direkt für die menschliche Ernährung geeignet ist.

Tierische Produkte erfüllen insbesondere die Funktion eines Lieferanten von hochwertigem Eiweiß, dessen Aminosäurenzusammensetzung wertvoller ist als die von pflanzlichem Eiweiß. Die Eiweißeffizienz fällt für alle Vieharten höher aus als die Energieeffizienz, weil überwiegend Nebenprodukte zum Einsatz kommen, die nicht direkt vom Menschen verwertet werden können. In der Schweinehaltung wird die Eiweißeffizienz auf 54% veranschlagt, in der Rinder- und Hähnchenmast auf 72% bzw. 100% und in der Eierproduktion auf 127%. Mit 1100% schießt die Milcherzeugung den Vogel ab. Dieser Prozentsatz bedeutet, dass es elf Mal effizienter ist, Milcheiweiß zu konsumieren als das Futtereiweiß, das zu dessen Produktion eingesetzt wird. Anders ausgedrückt: Ein Liter Milch liefert unserem Körper 33 g nutzbares Eiweiß. Um die entsprechende Menge über Gras zur Verfügung zu haben, müsste man 330 g Graseiweiß essen. Bei 16,5% Eiweiß und 20% Trockensubstanz sind das 10 kg Gras. Oder, wem’s lieber ist, 2,25 kg Heu.

Die Studie stuft Soja(schrot) als nicht direkt für die menschliche Ernährung nutzbar ein. Boonen begründet dies in VILT folgendermaßen: „Wenn man davon ausgeht, dass wir die Sojabohnen essen, dann verschlechtert Soja in der Viehfütterung effektiv die Effizienz der Tierproduktion. Wenn wir dagegen Sojaöl in unsere Pfanne gießen, um ein Stück Hähnchenfleisch zu braten, dann ist Sojaschrot ein Nebenprodukt, das sich nicht für die menschliche Ernährung eignet. Und die Sojaschrotmenge, die nach der Ölgewinnung als Nebenprodukt anfällt, entspricht ziemlich genau der Eiweißmenge, die benötigt wird, um die empfohlene Tagesration Fleisch zu erzeugen, sei es Hähnchen- oder anderes Fleisch. In Sachen Eiweißeffizienz bedeutet dies, dass es keinen Unterschied darstellt, ob man nun das Hähnchen isst oder dessen Futter.”

Boonen will der Viehhaltung keinesfalls einen Blankocheck ausstellen. „Ich möchte eigentlich nur deutlich machen, dass es zu simpel ist, der Viehhaltung den Schwarzen Peter für den Sojaanbau in Südamerika zuzuschieben, solange dem europäischen Verbraucher unverändert nach Sojapudding lüstert und er seine Speisen mit Sojaöl zubereitet. Aber meine Doktorarbeit beinhaltet indirekt auch die Botschaft, dass die Umstellung auf Fischzucht oder Insektenproduktion sehr viel größere Effizienzverbesserungen liefern kann als das Herumbasteln an der Steigerung der Futterverwertung unseres klassischen Viehs, sprich Geflügel, Schweine und Rinder. Denn kaltblütige Tiere, die keine Energie zur Aufrechterhaltung einer konstanten hohen Körpertemperatur benötigen, setzen Futterenergie effizienter um als Säugetiere und Geflügel.