Neue Auflagen für kritische Antibiotika

Verfasst am 22.12.2016

Die Resistenz vieler bakterieller Krankheitserreger gegen einen oder mehrere Antibiotikum-Wirkstoffe stellt eine reelle Bedrohung dar. Wird in Zukunft für jede Infektion bei Mensch oder Tier noch eine Behandlung möglich sein? Diese Sorge treibt nicht nur Mediziner, sondern auch die Politik um. Es werden deshalb Maßnahmen getroffen, um das Risiko der Resistenzbildung zu reduzieren.

Antibiotika sind unverzichtbar, um bakterielle Infektionen zu bekämpfen. Sie werden sowohl beim Menschen als auch bei Tieren verwendet. Unsachgemäßer und/oder übermäßiger Gebrauch von Antibiotika – ob bei Mensch oder Tier – führt dazu, dass Bakterien Resistenzen gegen Antibiotika entwickeln. Auf kurz oder lang führt dies zu Problemen für die Volks- und Tiergesundheit. Sowohl Human- als Tiermedizin müssen deshalb einen Beitrag leisten, um gegen den Fortgang der bakteriellen Resistenzen zu kämpfen. In der Tiermedizin stehen sowohl der Tierarzt als der Tierhalter in der Verantwortung.

AMCR-Ziele

Der Sektor der Tierhaltung ist willens, aus eigener Kraft den Gebrauch von Antibiotika erheblich zu verringern. Zu diesem Zweck wurde 2012 das Zentrum „Antimicrobial Consumption and Resistance in Animals“ (AMCRA) gegründet. In AMCRA sind Tierhalter, Tierfuttermittelindustrie, Arzneimittelindustrie, die tierärztlichen Vereinigungen und die Vereinigungen der Tiergesundheit sowie die Fakultäten für Tiermedizin vereint.

AMCRA hat folgende Zielsetzungen gesteckt:

– bis 2017 (im Verhältnis zu 2011): Verringerung von 50% des Gebrauchs von Tierarzneimitteln mit Antibiotika.

– bis 2020 (im Verhältnis zu 2011): Verringerung von 50% des Gebrauchs von Antibiotika im Allgemeinen und Verringerung des Gebrauchs von als kritisch eingestuften Antibiotika.

Bedingungen für die Verwendung

In der Medizin sind Infektionen bekannt, die durch multiresistente Bakterien ausgelöst werden. Die Behandlung ist oft sehr schwierig, weil nur noch eine begrenzte Anzahl an Antibiotika Wirkung zeigt. Diese Antibiotika werden als kritisch bezeichnet, weil unbedingt verhindert werden muss, dass bakterielle Krankheitserreger Resistenzen gegen sie entwickeln. Sie dürfen deshalb mit Ausnahme von Eutertuben nicht mehr präventiv eingesetzt werden. In diese Kategorie fallen die Cephalosporine der dritten und vierten Generation sowie die Fluorchinolone (Colistin ist ebenfalls als kritisch eingestuft, aber sein Einsatz in der Viehhaltung ist vorerst noch nicht reglementiert).

Bedingungen

Der kurative Einsatz von diesen als kritisch eingestuften Antibiotika in der Tierhaltung wird durch die neue Gesetzgebung nicht verboten, aber der Tierarzt muss ihren Einsatz besser begründen bzw. rechtfertigen. Konkret darf der Tierarzt als kritisch eingestufte Antibiotika nur noch dann verwenden (d.h. verabreichen, abgeben oder verschreiben), wenn nachweislich kein anderes (nicht kritisches) Antibiotika wirkt. D.h., es muss vorab ein Antibiogramm erstellt werden. Eine Ausnahme von dieser Regel ist nur möglich, wenn keine Probe gezogen werden kann (Hochdringlichkeit oder Unmöglichkeit einer Probenentnahme). Das Antibiogramm bleibt je nach Tierart 6 oder 12 Monate gültig.

Der präventive Gebrauch von als kritisch eingestuften Antibiotika ist verboten. Es bleibt aber möglich, kranke Tiere zu behandeln und Tiere, die in derselben Gruppe anwesend sind und/oder die in direktem Kontakt mit diesen kranken Tieren stehen (methaphylaktische Behandlung).

Falls der Tierarzt als kritisch eingestufte Antibiotika verwendet (verabreichen/abgeben/verschreiben), stellt er dem Tierhalter eine Kopie des Antibiogrammergebnisses aus. Diese muss der Tierhalter in seinem Register IN aufbewahren.

Wichtig für Milchviehhalter: Diese Einschränkungen gelten nicht für den Einsatz von intramammären Spritzen (Eutertuben).

Die komplette Broschüre „Der Kampf gegen Antibiotika-Resistenzen“ kann auf der Webseite der FASNK heruntergeladen werden.