Sind die Kartoffel-, Getreide-, Milch- und andere Agrarpreise gut, dann ist der Landwirt schnell geneigt, in neue Maschinen zu investieren. Der Absatz des Landmaschinenhandels ist deshalb ein zuverlässiger Indikator der Wirtschafts- und Finanzlage der Landwirtschaft.
Es verwundert nicht, dass die belgischen Importeure von Traktoren bereits im Frühjahr vergangenen Jahres warnten, dass die Umsatzstückzahlen ihrer Branche im Jahr 2015 keine Rekorde brechen würden. Diese Erwartungen sollte sich bewahrheiten: Der Umsatz brach gegenüber 2014 um 16% ein. Eine Marke tanzt dabei allerdings aus der Reihe: Valtra konnte den Aufwärtstrend, der bereits vor einigen Jahren eingesetzt hat, auch im Krisenjahr 2015 fortsetzen.
Größer und teurer
An der langfristigen Tendenz besteht kein Zweifel: Aufgrund des anhaltenden Strukturwandels werden die Verkaufszahlen in den kommenden Jahren wieder zurückgehen. Im Gegenzug steigt die mittlere Leistungsstärke der neu zugelassenen Schlepper … und deren Stückpreis. Ein weiterer Preistreiber sind die immer strengeren gesetzlichen Emissionsnormen. Hinzu kommt, dass viele Käufer höhere Ansprüche in Sachen Komfort in allen Bereichen stellen. Unter dem Strich hat dies zur Folge, dass die Stückpreise jährlich um 15 bis 30% steigen. Man kann deshalb davon ausgehen, dass der Traktorenhandel seinen Umsatz 2015 trotz rückläufiger Verkaufszahlen so ziemlich halten konnte.
New Holland und John Deere behaupten sich unangefochten auf den ersten beiden Plätzen der Rangliste der umgesetzten Stückzahlen. Zusammen bringen sie es auf die Hälfte aller Neuzulassungen. Auf Platz 3 steht wie im Vorjahr Deutz-Fahr. Case IH und Fendt tauschen die Plätze – dieses Jahr hat Case die Nase für Platz 4 vorn. Obwohl Case IH und Steyr ihre Traktoren in Europa gemeinsam vertreiben, wird Steyr in der Tabelle getrennt geführt (eine Zusammenlegung würde an der Rangliste ohnehin nichts ändern). Die komplette CNH Gruppe nimmt gut 40% des belgischen Marktes für sich in Anspruch. Als Nummer 2 brachte es John Deere 2015 auf 21,7%, gefolgt von der Agco-Gruppe (18,1%).
Valtra und Newcomer
Mit Ausnahme von Valtra mussten alle Marken 2015 teils empfindliche Einbußen bei den verkauften Stückzahlen hinnehmen. Mit Valtra präsentiert die Agco-Gruppe Schlepper von hoher Basisqualität, die auf jede nicht zwingend benötigte Sonderausstattung verzichten. Als anderes Extrem hat Agco mit Fendt eine Premium-Marke im Angebot, die als Trendsetter deutscher Technologie angepriesen wird. Die dritte Marke im Agco-Bunde, Massey Ferguson, stellt Allround-Traktoren bereit, wie sie überall in der Welt nachgefragt werden. Viele belgische Landwirte legen offensichtlich größeren Wert auf eine gute, grundsolide Qualität als auf nicht zwingend benötigten Schnickschnack. Genau das hat Valtra zu bieten.
Auf der Agritechnica in Hannover wurde deutlich, dass neue Marken auf den europäischen Markt drängen. Insbesondere Asien – Japan und China, aber auch Indien – und Russland haben den kaufkräftigen europäischen Markt im Visier. Das könnte den Wettbewerb beleben und vielleicht dazu beitragen, dass die Preise weniger stark anziehen als in der Vergangenheit. Ab diesem Jahr 2016 werden sicherlich Marken wie Kubota, Iseki, YTO und Kioti die Aufmerksamkeit auf sich ziehen.