Wallonisches Milchbarometer

Verfasst am 10.05.2017

Die Wallonische Region veröffentlicht neuerdings ein Milchbarometer, um die monatlichen und jährlichen Tendenzen in Sachen Rentabilität der Milcherzeugerbetriebe zu verdeutlichen. Als Indikator dient das Arbeitseinkommen pro 100 l Milch.

Das Milchbarometer basiert auf den buchhalterischen Angaben einer Stichprobe von spezialisierten Milcherzeugerbetrieben des Buchführungsnetzes der Direktion für landwirtschaftliche Analysen der wallonischen Verwaltung (DAEA). Es werden nur konventionelle Betriebe berücksichtigt, die mindestens 75% ihrer Verkaufserlöse aus der Milcherzeugung erzielen.

Es wird ausdrücklich darauf hingewiesen, dass es sich bei den veröffentlichen Zahlen um indikative Mittelwerte handeln. Im Einzelfall kann die Berechnung mehr oder weniger stark abweichen.

Kosten

In den Berechnungen werden alle anfallenden reellen Kosten berücksichtigt (Funktions- und Strukturkosten, Abschreibungen, Zinsen), aber nicht die fiktiven Kosten (Pacht auf Eigenland und Verzinsung des Eigenkapitals).

Für 2015 wurden folgende durchschnittlichen Kosten ermittelt:

  • Funktionskosten: 16,06 Cent/l
  • Strukturkosten (Energie, Wasser, Versicherungen, Unterhalt): 8,52 Cent/l
  • Abschreibungen und Zinsen: 8,05 Cent/l

Dies ergibt ein Total von 32,63 Cent/l.

Einnahmen

Durch den Verkauf von Fleisch (Kälber, Reformkühe, Zuchtvieh) wurden im Schnitt 3,72 Cent/l eingenommen sowie weitere 0,86 Cent/l durch den Verkauf anderer Erzeugnisse. Zuzüglich der Zahlungen aus der 1. und 2. Säule der GAP (5,04 Cent/l) belaufen sich die indirekten Einnahmen aus der Milchproduktion auf 9,62 Cent/l.

Daraus ergibt sich laut DAEA für 2015 ein mittlerer kostendeckender Milchpreis (vor Entlohnung der Familienarbeitskräfte) von 23,01 Cent/l. Über diesen Betrag hinausgehendes Milchgeld wird als landwirtschaftliches Einkommen (inkl. Pacht auf Eigenland und Zinsen auf Eigenkapital) verbucht.

Das Monatsbarometer wird nach dem gleichen Prinzip ermittelt. Dabei werden eine unveränderte Betriebsstruktur und eine gleichbleibende Betriebsführung gegenüber dem Vorjahr (identische Mengen) unterstellt. Schwankungen der Preise für Vieh und variable Produktionsmittel werden mittels der aktuellsten Erhebungen des Statistischen Landesamtes (Statbel) korrigiert.

Für Februar 2017 hat das Milchbarometer auf diese Weise ein mittleres Arbeitseinkommen von 12,2 Cent/l ermittelt (bei einem durchschnittlichen Milchauszahlungspreis von 35,1 Cent/l). Damit lag die Entlohnung nach Einschätzung der DAEA in diesem Monat „im grünen Bereich“, der für die behördlichen Statistiker bei 10,65 Cent/l beginnt. Er orientiert sich am Stundenlohn eines landwirtschaftlichen Arbeiters. Dieser beträgt 10,13 Euro pro Stunde, was 10,65 Cent/l entspricht (bei Unterstellung, dass die Produktion von 100 l Milch etwas mehr als eine Arbeitsstunde erfordert). Ob diese Referenz angemessen ist, darüber lässt sich streiten angesichts des hohen unternehmerischen Risikos eines Milcherzeugers im Vergleich zu einem landwirtwirtschaftlichen Arbeiter.

Über die vergangenen zwölf Monate gesehen ist das Arbeitseinkommen der Milcherzeuger aber tief im roten Bereich; das wallonische Milchbarometer kommt im Mittel auf gerade einmal 6,3 Cent/l (bei einem reellen Milchauszahlungspreis von 28,9 Cent/l). Für einen Betrieb mit 500.000 l Milch ergibt sich somit ein monatliches Bruttoeinkommen von 2650 Euro.

Die DAEA hat diese Berechnungen auch rückwirkend bis 2008 angestellt. In Spitzenzeiten wurde kurzzeitig ein Arbeitseinkommen von bis zu 25 Cent/l erzielt (Jahreswende 2007-08: 17,5 Cent; Spätherbst 2013: 25,0 Cent/l; Jahreswende 2016-17: 23,0 Cent/l). Dem standen aber drei Perioden gegenüber, in denen die Milcherzeuger im Schnitt keinerlei Einkommen verbuchen konnten (Sommer 2009, 2012 und 2016). Global über den Zeitraum von 110 Monaten (Januar 2008 bis Februar 2017) gesehen war das Einkommen der Milcherzeuger nur in einem Viertel der Zeit „im grünen Bereich“, d.h. über dem Lohn eines landwirtschaftlichen Arbeiters.