Was steckt wirklich hinter CETA?

Verfasst am 26.10.2016
Abgelegt unter EU und Weltmarkt

In dieser Woche waren alle Augen auf Wallonien und Brüssel gerichtet, weil sie der belgischen Regierung in buchstäblich letzter Minute ihre Zustimmung zum Freihandelsabkommen der EU mit Kanada (CETA) verweigern.

Die von Wallonien vorgetragenen Argumente sind nicht immer ganz wahrheitsgemäß. Man setzt auf die Angst, die CETA bei Teilen der Bevölkerung hervorruft. Dagegen werden die unbestreitbaren Vorteile und Chancen vollständig außer Acht gelassen. Wir sehen es deshalb als notwendig und sinnvoll, die nackten Tatsachen des CETA-Abkommens in Erinnerung zu rufen.

Als Handelsabkommen ist CETA mit Sicherheit nicht einzigartig. Die EU hat in ihrer Geschichte eine Vielzahl ähnlicher Handelsabkommen abgeschlossen. Einige davon wirken sich sehr nachteilig auf die Landwirtschaft aus, wie z.B. das kürzlich unterzeichnete „politische“ Abkommen mit der Ukraine.

Die Verhandlungen mit Kanada wurden bereits 2009 aufgenommen. Das CETA-Vorhaben wurde immer als Prunkstück europäischer Handelspolitik gepriesen. Im September 2013 verkündete EU-Präsident Van Rompuy den erfolgreichen Abschluss der Verhandlungen. Im Juli dieses Jahres leitete die EU-Kommission die Vereinbarung als sog. „gemischtes Abkommen“ zur Verabschiedung an den Rat und das EU-Parlament. Konkret bedeutet dies, dass die formale Zustimmung eines jeden Landes erforderlich ist.

In Belgien verweigern die Regierungen Walloniens, Brüssels und der DG der Föderalregierung ihre Zustimmung zu CETA. Damit sind Belgien die Hände gebunden: Unser Land kann das Abkommen nicht unterzeichnen und verhindert somit sein Inkrafttreten. Es bedarf keiner weiteren Erläuterungen, dass diese Blockadehaltung dem Ruf Belgien ernsthaft Schaden zufügt.

Worum geht es?

Im CETA-Abkommen ist vereinbart, dass 97% der Einfuhren aus Kanada von Einfuhrzöllen befreit werden. Im Gegenzug streicht Kanada seine Zölle auf 95% aller europäischen Importe. Mit anderen Worten: Die tarifären Handelshemmnisse werden in bedeutendem Maße abgebaut und der Handel wird dadurch erleichtert. Für bestimmte sog. „sensible Produkte“ (darunter viele landwirtschaftliche Erzeugnisse) gelten allerdings Ausnahmen; sie sind von den Handelserleichterungen ausgeschlossen. Für beide Parteien handelt es sich bei den „sensiblen Produkten“ um Geflügelprodukte (Fleisch, Eier und Eiprodukte). Für Kanada kommen Milchprodukte (außer Käse) und Milchproteinkonzentrat hinzu. Für diese Erzeugnisse gelten auch in Zukunft die bereits vorher bestehenden Handelsregeln (inkl. Zölle). Für andere Produkte wurden sog. zollfreie Kontingente oder Einfuhrquoten vereinbart. Dabei handelt es sich um Obergrenzen für zollfreie Importe.

Die kanadische Kontingente für Einfuhren in die EU belaufen sich auf:

  • Rindfleisch: 45.000 t entsprechend 0,6% des gesamten EU-Verbrauchs,
  • Schweinefleisch: 80.000 t entsprechend 0,4% des gesamten EU-Verbrauchs (zum Vergleich: Die EU exportiert jährlich 2,5 bis 3 Mio. t Schweinefleisch nach Kanada) und
  • Weizen: 100.000 t.

Die EU kann 18.500 t Käse zollfrei nach Kanada exportieren. Diese Obergrenzen sollen nach und nach (über einen Zeitraum von fünf Jahren) abgeschafft werden. Daneben akzeptiert Kanada laut CETA-Abkommen den geographischen Herkunftsschutz von 143 europäischen Produkten, ein Schutz, der in Kanada nicht üblich ist. Die Liste beinhaltet nur Erzeugnisse, für die auch tatsächlich ein Handel mit Kanada besteht.

Gegenseitige Anerkennung

Neben der Abschaffung der Zölle wurde auch über die zu erfüllenden Normen und Standards von landwirtschaftlichen Handelsgütern verhandelt. Mit dem Ergebnis, dass Kanada und Europa ihre sanitären und phytosanitären Vorschriften gegenseitig anerkennen. Es ist deshalb eine glatte Falschinformation, dass CETA die europäischen Standards in Sachen Lebensmittelsicherheit untergräbt. Hormonfleisch und Schweinefleisch, bei dessen Produktion Ractopamin eingesetzt wurde, sind und bleiben in der EU verboten und diese Verbote gelten unter CETA nach wie vor auch für Importe aus Kanada (und anderen Ländern). Auch das bereits seit längerem bestehende Veterinärabkommen zwischen der EU und Kanada wurde als integraler Bestandteil in CETA aufgenommen.