Bestandsaufnahme der Landwirtschaft in der DG

Verfasst am 10.08.2016
Abgelegt unter Bauernbund unternimmt

Das statistische Landesamt (Statbel) wartet in regelmäßigen Abständen mit Angaben zur belgischen Landwirtschaft auf. Für viele Kennzahlen liegen nunmehr auch aktuelle Zahlen auf Gemeindeebene vor. Diese basieren im Wesentlichen auf verwaltungstechnischen Angaben (Flächenerklärung und Sanitel).

Dass die Landwirtschaft im ostbelgischen Raum einen hohen Stellenwert hat, ist hinlänglich bekannt. In den Eifelgemeinden der DG werden 38% der Fläche landwirtschaftlich genutzt. Den höchsten Anteil weist mit 47% die Gemeinde Burg-Reuland auf (Tabelle 1). Bütgenbach tanzt mit einem Anteil von nur 26% aus der Reihe. Lässt man den Truppenübungsplatz Elsenborn außen vor, dann steigt der Anteil allerdings auf ca. 35%.

In den Nordgemeinden ist der Anteil der landwirtschaftlichen Nutzfläche (LNF) sehr stark gestreut. So liegt er in den Gemeinden Eupen und Kelmis nur bei 15,7 bzw. 12,5% (Tabelle 1). Während die Gemeinde Kelmis eine typische kleine Stadtgemeinde ohne Umland ist, erklärt der hohe Anteil des Hertogenwalds an der Eupener Gemeindefläche den geringen Anteil der dortigen LNF. Das andere Extrem bildet die waldarme Gemeinde Lontzen, wo drei von vier Hektar (72,9%) Gemeindefläche landwirtschaftlich genutzt sind. Unter dem Strich ergibt sich für die gesamte DG ein LNF-Anteil von 35,4%.

Tabelle 1: Flächenanteile der landwirtschaftlichen Nutzung pro Gemeinde (2015).xlsx

480 Betriebe über 15 ha

Die Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe ist weiter rückläufig. 2015 wurden in der DG nur noch 640 landwirtschaftliche Betriebe gezählt. Diese verteilen sich zu 80% auf die fünf Eifelgemeinden und zu 20% auf den Eupener Raum (Tabelle 2). Dies entspricht auch dem Flächenverhältnis zwischen dem Norden und dem Süden der DG.

Die Zahl der Familien, die mit der Landwirtschaft ganz oder zumindest zu einem bedeutenden Teil ihren Lebensunterhalt bestreiten, liegt allerdings bedeutend unter den ermittelten 640 Betrieben. Denn 58 der 640 erfassten Betriebe bewirtschaften weniger als 5 ha Land; 13 sind sogar gänzlich ohne Fläche. Weitere 101 haben in ihrer Flächenerklärung zwischen 5 und 15 ha angegeben. Setzt man die Schwelle der Gewerblichkeit bei 15 ha an, dann bleiben 480 „professionelle“ landwirtschaftliche Betriebe. Davon bewirtschaftet gut die Hälfte (53%) mehr als 50 ha Land und ein Viertel zwischen 30 und 50 ha.

Tabelle 2: Flächennutzung nach Gemeinde (2015).xlsx

Strukturwandel trotz Quote

Seit 1980 haben drei von vier landwirtschaftlichen Betrieben ihre Tätigkeit eingestellt. So zählte die DG damals, kurz vor Einführung der Milchquoten, noch mehr als 2700 Betriebe mit einem durchschnittlichen Rindviehbestand von 33 Tieren und einer mittleren Wirtschaftsfläche von 11 ha (Tabelle 3). Heute bewirtschaften die Betriebe im Mittel 47 ha mit 94 Stück Rindvieh. Damit wird deutlich, dass die Milchquoten den Strukturwandel nicht aufgehalten haben. Und noch etwas muss hervorgehoben werden: Seinerzeit (1980) standen im Schnitt 3 Stück Rindvieh auf einem Hektar, mittlerweile sind es deren nur noch zwei! Ähnlich die Entwicklung des DG-Schweinebestands: Er ist innerhalb von dreieinhalb Jahrzehnten um rund 40% geschrumpft. Bezogen auf den Viehbesatz kann von einer Intensivierung der heimischen Landwirtschaft somit keine Rede sein, im Gegenteil, die Milchquoten haben zu einer bedeutenden Extensivierung geführt, da überzähliges Milchvieh – anders als im frankophonen Landesteil – nur zu einem sehr geringen Teil durch Fleischvieh ersetzt worden ist.

Tabelle 3: Entwicklung der Landwirtschaft in der DG.xlsx

Grünland, wohin man blickt

In der LNF der DG dominiert Grünland. Daran hat sich im Laufe der Jahre relativ wenig geändert (Tabelle 4). So lag der Grünlandanteil 1980 bei 96,8% und 2015 bei 93,9% (-2,9 Prozentpunkte bzw. -3,0%). Der Maisanbau ist in diesem Zeitraum stark ausgeweitet worden (von 30 auf 966 ha), aber sein Anteil an der LNF der DG ist mit 3,1% nach wie vor verschwindend gering. Zwischen dem Norden (6,2%) und dem Süden (2,3%) der DG bestehen diesbezüglich aufgrund der unterschiedlichen klimatischen Bedingungen bedeutende Unterschiede. Ein Nord-Süd-Gefälle beim Maisanbau (und generell beim Ackerbau) besteht auch innerhalb der Eifel: der Anteil nimmt nach Süden hin kontinuierlich zu. Während in den Gemeinden Bütgenbach und Büllingen so gut wie kein Mais (0 bzw. 0,5% der LNF) angebaut wird, steigt der Anteil über Amel (2,2%) und St. Vith (2,9%) in Burg-Reuland mit 5,0% auf ein ähnlich „hohes“ Niveau wie in den Nordgemeinden der DG (6,2%).

Und wie ist es um die Intensivierung der Landwirtschaft bestellt? Nun, macht man die Intensivierung an der Zahl der Betriebe, deren mittlere Betriebsfläche und der Mechanisierung fest, dann ist die ostbelgische Landwirtschaft in den vergangenen dreieinhalb Jahren in der Tat intensiviert worden.

Tabelle 4: Entwicklung der Flächennutzung in der DG.xlsx

Die Entwicklung des Viehbestands zeigt dagegen ein ganz anderes Bild (Tabelle 5). 1980 standen in Ställen der DG-Betriebe noch rund 91.000 Rinder, 2015 waren es weniger als 62.000 – das ist ein Rückgang um rund ein Drittel (-31,8%)! Beim Schweinebestand fällt das Bild noch krasser aus: Der Bestand hat sich halbiert (-48,3%)! Bei nahezu unveränderter LNF bedeutet dies, dass von einem Hektar heute nur noch eine Kuh mit der entsprechenden Nachzucht ernährt werden muss (gegenüber 1,46 vor 25 Jahren). Mit anderen Worten: Der Futterbedarf pro Hektar hat sich in diesem Zeitraum um ein Drittel verringert. Was wiederum zur Folge hat, dass die hiesigen Betriebe im Schnitt heute mit bedeutend weniger Mineraldünger auskommen als in der Zeit vor den Milchquoten. Und zudem fällt heute auch bedeutend weniger Gülle oder Mist pro Hektar an als noch vor dreieinhalb Jahrzehnten. Die Milchquoten sind es auch, die diese Entwicklung ausgelöst haben. Denn bei unveränderter Milchquote im hiesigen Raum wurden mit steigender Milchleistung pro Kuh im Laufe der Jahre immer weniger Kühe zur Ausschöpfung der Quote benötigt. Und anders als etwa im Malmedyer Raum sind die ausscheidenden Milchkühe nicht durch Fleischvieh ersetzt worden.

Tabelle 5: Entwicklung des Viehbesatzes in der DG.xlsx

Spezialisierte Milcherzeugung

Ob der Wegfall der Quoten diese Extensivierung umkehren wird, ist fraglich. Denn zum einen haben insbesondere in den Eifelgemeinden viele Betriebe die Biomilcherzeugung als lukrative Alternative zur konventionellen Wirtschaftsweise erkannt. Und zum anderen schiebt die wallonische Güllegesetzgebung vielen Betrieben einen Riegel hinsichtlich einer Aufstockung des Viehbesatzes vor. Und schließlich muss man feststellen, dass die derzeitige Milchpreismisere alles andere als einen Anreiz zur Ausweitung der Milchproduktion darstellt; im Gegenteil, es droht sogar ein Ausbluten der hiesigen Landwirtschaft, zumal auch aufgrund des Grünlanderhaltungsgebots keinerlei Alternativen zur Rindviehhaltung bestehen.

Dass die Landwirtschaft in der DG auf die Milcherzeugung spezialisiert ist, belegen die Zahlen zum Rindviehbestand. Im DG-Mittel handelt es sich bei neun von zehn Kühen um Milchkühe. Im Norden liegt ihr Anteil bei 95,5% im Süden bei 87,5% (Tabelle 6). Hinsichtlich des mittleren Rindviehbestands pro Betrieb unterscheiden sich der Norden und der Süden der DG sehr stark. Während im Norden im Schnitt 120 Rinder pro Betrieb stehen, sind es deren in den fünf Südgemeinden nur 91. Im Wesentlichen ist dieser große Unterschied darauf zurückzuführen, dass der Anteil der nicht gewerblichen Betriebe (Hobbyviehhalter, pensionierte Landwirte) im  Süden der DG bedeutend höher ist als im Norden. Zwischen den einzelnen Gemeinden sind die Größenunterschiede ebenfalls bemerkenswert, mit Büllingen und der Stadtgemeinde Kelmis (72 bzw. 78 Rinder) am einen Extrem und Burg-Reuland und Eupen (112 bzw. 130) am anderen.

In Sachen Viehbesatz stellt man in den Eifelgemeinden dasselbe Nord-Süd-Gefälle fest wie beim Maisanbau bzw. Ackerbau: Am extensivsten ist die DG-Landwirtschaft in den nördlichen Eifelgemeinden (Büllingen: 0,79 Kühe/ha; Bütgenbach: 0,89). Bütgenbach ist im Übrigen mit rund 4700 Stück Rindvieh die viehärmste Gemeinde der DG. Amel, St. Vith und Burg-Reuland liegen gleichauf mit gut 11.000 Stück. Am „intensivsten“ ist die Gemeinde Burg-Reuland (1,07 Kühe/ha). Im Eupener Raum stehen auf einem Hektar dagegen im Schnitt 1,25 Kühe (Tabelle 6).

Tabelle 6: Viehbestand und -besatz nach Gemeinde (2015).xlsx